Caroline Thons Patchwork: Say it!
09.06.2005
Rothschild's CD-Tipp:
Komponierter Jazz
Ein höchst abwechslungs- und einfallsreiches Programm, das rhythmisch, melodisch und in der Verarbeitung des Materials das Versprechen des zeitgenössischen Jazz einlöst.
Die CD könnte ebenso gut unter dem Namen Junia Vent figurieren. Denn die Sängerin, die auch Flöte spielt und die Texte für die Vokalpartien - sofern welche benötigt werden - geschrieben hat, ist die eigentliche Sensation der Aufnahmen. Sie reiht sich ein in jene Tradition von Sängerinnen, die ihre Stimme wie ein Instrument einsetzen, dem Jazz eine Dimension verliehen haben, die über die kollektive Improvisation von reinen Instrumentalensembles hinausgeht und jenen bereichert. Aber die CD trägt den Namen einer anderen Frau, der Komponistin der acht Titel, Caroline Thon, die auch das Saxophon bläst. Dazu kommen Florian Weber am Klavier, Pascal Niggenkemper am Bass und Jens Düppe am Schlagzeug. Gemeinsam liefern sie unter dem Gruppennamen Patchwork ein höchst abwechslungs- und einfallsreiches Programm von zeitgenössischem Jazz, der rhythmisch, melodisch und in der Verarbeitung des Materials einlöst, was man sich von Jazz eben verspricht.
Caroline Thon sagt im Covertext, sie denke nicht über Stilistiken, Traditionen und Ähnliches nach. Das mag kokett klingen, denn wer im Idiom des Jazz komponiert, kann sich gar nicht ganz außerhalb der Traditionen stellen, ist notwendig von vorausgegangenen Stilarten geprägt. Es ist aber insofern zutreffend, als sich die Stücke nicht einer einzelnen Richtung zuordnen lassen. Caroline Thon ist eine Eklektikerin, und das ist im Jazz nicht unbedingt von Nachteil. Man muss über seine Herkunft nicht nachdenken. Sie ist dennoch vorhanden. Das weiß Caroline Thon auch. So ergänzt sie denn, dass jegliche Form von Musik oder von Kunst für sie "eine Art Riesenschatzkammer" sei. Daraus schöpft sie auf eigenständige und originelle Weise.
Thomas Rothschild
Caroline Thon’s Patchwork: Say it! JazzHausMusik, JHM 140.