Charles Lloyd: Jumping the Creek
23.06.2005
Rothschild's CD-Tipp:
Der Meister
Diese amerikanische Musik in universaler Sprache ist Ausdruck einer Weltoffenheit, die einen mit der Globalisierung aussöhnen könnte.
Über Charles Lloyd lässt sich nichts mehr sagen, was nicht schon gesagt worden wäre. Seit einem halben Jahrhundert prägt er die Jazzgeschichte. Lloyd ist ohne Zweifel einer der überragenden Meister des Saxophons. Er hat seine Wurzeln im Bebop, und die verleugnet er auch auf seiner jüngsten CD nicht, aber der Free Jazz, um den es still geworden ist, hat ebenfalls seine Spuren hinterlassen, und gleich der erste Titel, Jacques Brels sentimentales Chanson "Ne me quitte pas", präsentiert uns einen Interpreten der schnörkellosen, melodieseligen Ballade. Charles Lloyd ist auch im hohen Alter nicht müde, verschiedene Wege auszuprobieren, sich bloßer Routine zu entziehen.
Stanley Crouch, dem Autor des Textes im - wie stets bei ECM - mit schönen Fotos ausgestatteten Beiheft ist zuzustimmen, wenn er sagt, Teil des Komponierens für den Jazz sei es, Musiker auszuwählen, die ihre eigenen Anteile abhängig von der Art des gespielten Materials zu erfinden imstande sind. Im aktuellen Quartett sind das die Pianistin Geri Allen, der Kontrabassist Robert Hurst und Eric Harland. Charles Lloyd überlässt ihnen den Raum, den sie benötigen, um ihre musikalische Fantasie zu entwickeln. Er reagiert, mal eher zurückhaltend, dann mit jenen überbordenden Improvisationen, die man von ihm mit Fug und Recht erwarten darf, auf deren Vorgaben und inspiriert sie seinerseits. "Jumping the Creek" enthält amerikanische Musik in universaler Sprache. Sie ist Ausdruck einer Weltoffenheit, die einen mit der Globalisierung aussöhnen könnte. Leider sind es nicht die Jazzer, die diesem Begriff seine Bedeutung verliehen haben.
Thomas Rothschild
Charles Lloyd: Jumping the Creek. ECM Records, ECM 1911.