ganz schön feist: Hüa!
07.07.2005
Rothschild'S CD-Tipp:
Vom Klang der Sprache
Enten haben, wie diese Band erstaunt feststellt, keine Ohren. Wir schon.
Die West-Prinzen heißen "ganz schön feist", obwohl keiner von den drei Herren, die sich unter diesem Gruppennamen zusammengetan haben, so recht eigentlich feist ist. Sie sind längst kein Geheimtipp mehr. Eben erst haben sie den Salzburger Stier erhalten, einen der angesehensten Kleinkunstpreise.
ganz schön feist pflegt die Kunst des a cappella-Gesangs, unterstützt allenfalls von ein paar Tönen auf Begleitinstrumenten. Ihre Arrangements sind wirkungsbewusst und ihre Texte witzig. Das aber wäre noch kein hinreichender Grund, sie hier zu empfehlen. Was sie bemerkenswert macht, ist ihr Umgang mit Sprache. In Deutschland gibt es nur wenige Texter, die ein Gespür haben für die Singbarkeit von Versen. Sprache ist auch Klang, und ob ein Text als Lied funktioniert, hängt nicht nur, vielleicht nicht einmal in erster Linie von seiner Aussage ab, sondern auch von der Qualität der Reime und des Metrums, von der Häufung und Anordnung der Vokale und Sonanten, von der Präzision des Sprachrhythmus. Und da könnten sich so manche Lieder- und Schlagermacher an ganz schön feist ein Beispiel nehmen. Enten haben, wie sie erstaunt feststellen, keine Ohren. Wir aber haben Ohren. Die werden allzu oft beleidigt. Nicht von der CD "Hüa!". Weiter so.
Thomas Rothschild
ganz schön feist: Hüa! ROOF, RD 2533242 (Vertrieb: Indigo).