Polskie Tango
08.09.2005
Rothschild's CD-Tipp:
Polnischer Tango
Die altmodischen Stimmen werden von vorzüglichen Ensembles begleitet, und in die Melancholie mischt sich nicht selten beabsichtigter und ungewollter Humor.
Dass der Tango aus Argentinien stammt ist bekannt. Aber in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts fand er in Nordamerika und ganz Europa Verbreitung. So auch in Polen. Jerzy Płaczkiewicz hat über Jahr hinweg Schelllackplatten mit polnischen Tangoaufnahmen gesammelt. Nun hat er eine Auswahl aus dem Jahrzehnt 1929-1939 für eine CD zur Verfügung gestellt. Dabei ist er nicht kleinlich. „Stara melodia“ – „Eine alte Melodie“ – vom Chor Dana ist ebenso wenig ein Tango wie „Gdy odejdziesz“ – „Wenn du gehst“ – von Wiera Gran. Das tut aber dem Genuss an dieser CD keinen Abbruch. Das Schmalz und der Schmelz dieser Aufnahmen sind betörend. Die altmodischen Stimmen werden von vorzüglichen Ensembles begleitet, und in die Melancholie mischt sich nicht selten beabsichtigter und ungewollter Humor. Die Texte, die man nicht verstehen muss, handeln in erster Linie von Liebe. Und Anspielungen auf die hispanische Herkunft des Tangos gehören zum Genre.
Der Höhepunkt kommt am Schluss. Willi Kolo singt in deutscher Sprache den Tango Milonga „Oh, Donna Clara“. Sie werden ihn sogleich erkennen. Aber wussten Sie, dass es sich um einen polnischen Tango handelt, dessen Komponist Jerzy Petersburski heißt?
Thomas Rothschild
Polskie Tango 1929-1939. Old World Tangos Vol. 3. Oriente RIEN CD 55.