Ferenc Snétberger: Nomad
15.09.2005
Rothschild's CD-Tipp:
Klänge aus Oslo
Kammerjazz, swingend zwar, aber doch der Tradition der Hausmusik nicht weniger verpflichtet als der Jazzgeschichte.
Eine Gitarre, ein Kontrabass, ein Schlagzeug, das wär’s: eine ungewöhnliche Besetzung. Dazu kommt bei einigen Titeln, sehr sparsam, kaum auffällig eingesetzt, elektronischer Background. Die CD figuriert zwar unter dem Namen des ungarischen Gitarristen Ferenc Snétberger, aber es handelt sich entschieden um eine Trioaufnahme, bei der allen drei Instrumenten das gleiche Gewicht zukommt. Auch das Schlagzeug und erst recht der Kontrabass können da nicht als Rhythmusinstrumente marginalisiert werden. Am Schlagzeug sitzt Paolo Vinaccia, und den Bass spielt Arild Andersen. Andersen gehört zum Kernbestand der ECM-Musiker, und an ECM lässt diese CD auch aus einem anderen Grunde denken. Sie wurde im Rainbow Studio in Oslo aufgenommen, und der Toningenieur war Jan Erik Kongshaug, der zusammen mit dem Produzenten Manfred Eicher für den Klang vieler ECM-Produktionen verantwortlich ist.
So bietet „Nomad“ Kammerjazz, swingend zwar, aber doch der Tradition der Hausmusik nicht weniger verpflichtet als der Jazzgeschichte. Das verdankt sich auch der Tatsache, dass Snétberger keine elektrische, sondern eine so genannte akustische, also eine Konzertgitarre spielt. Sie verleiht auch lebhafteren Rhythmen einen intimen, konzentrierten, verinnerlichten Charakter. In diese Richtung verweisen zudem die Titel der mehrheitlich von Snétberger geschriebenen Stücke: „Empathy“, „Childhood“, „Waterkiss“, „Air“. Man könnte der CD einen skandinavischen Touch attestieren. Ist es der genius loci? Ist es die Suggestivität von Arild Andersens Kontrabass? Oder ist vielleicht das Klischee vom ungarischen Temperament eben nur ein Vorurteil?
Thomas Rothschild
Ferenc Snétberger: Nomad. enja, ENJ-9485 2