Dziuks Küche: Gebet & Revolver
27.10.2005
Rothschild's CD-Tipp:
Deutschrock
Dziuks Texte sind nicht nur witzig und gescheit formuliert, sie sind vor allem rhythmisch und phonetisch präzise auf die Musik abgestimmt, im idealen Sinne „singbar“.
Jede neue CD von Danny Dziuk und seiner Band Dziuks Küche ist ein Grund zur Freude. Das ganze Gerede von Deutschrock etc. erübrigt sich da. Es ist einfach erste Qualität, was da geboten wird, Rock mit starken Country-Reminiszenzen und mit Texten, die halt auf Deutsch verfasst sind. Sie widerlegen allerdings jegliche Bedenken über die Eignung der deutschen Sprache für den Gesang. Dziuks Texte sind nicht nur witzig und gescheit formuliert, sie sind vor allem rhythmisch und phonetisch präzise auf die Musik abgestimmt, im idealen Sinne "singbar". Diese Einheit von Wort und Musik kommt mit einem Drive und einer Lebendigkeit daher, dass man die CD immer wieder von vorne hören möchte. Und an Danny Dziuks charakteristischer Stimme mag man sich gar nicht satt hören. Was hat man doch um Udo Lindenberg für ein Gedöns gemacht. Und es soll Menschen geben, die den Namen Dziuk nicht kennen. Fatal.
Danny Dziuk ist auch ein Gegenargument gegen die pauschalisierende Behauptung, der Rock sei unpolitisch geworden. Er schreibt seine Texte meist selbst, manchmal übernimmt er auch welche oder übersetzt aus dem Englischen. Auf der neuen CD befindet sich die deutsche Übertragung eines amerikanischen Songs von Kinky Friedman, der sicher nicht nur Zustimmung finden wird: "Sie stellen keine Juden wie Jesus heut' mehr her". Darin werden Antizionisten des Antisemitismus verdächtigt. Das ist kein origineller Verdacht, und bisweilen mag er auch berechtigt sein. Generalisiert man ihn freilich, gerät man in das Argumentationsmuster derer, die jeden deutschen Kritiker der Zustände in amerikanischen Militärgefängnissen beschuldigen, die KZs der Nazis zu entlasten.
Thomas Rothschild
Dziuks Küche: Gebet & Revolver. Buschfunk, BF 05332.