Randy Brecker ist unter Jazzfans nicht unumstritten. An seiner technischen Perfektion gibt es keinen Zweifel. Aber seine Bereitschaft zu Kompromissen mit leicht verdaulicher Kost ist nicht jedermanns Sache.
Im Zusammenwirken mit der WDR Big Band 2003 bei den Leverkusener Jazztagen hat er sich jedoch angestrengt. Angestachelt wird er zudem durch Michael Brecker am Tenorsaxophon, Jim Beard an den Keyboards, Will Lee am Elektrobass, Peter Erskine am Schlagzeug und Marcio Doctor an der Percussion.
Die vorzügliche WDR Big Band, die uns daran erinnert, was verloren geht, wenn die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihre Orchester und Jazzformationen einsparen wollen, schließt an jene Tradition an, die man am ehesten mit Stan Kenton, auch mit Harry James verbindet: an eine sich überschlagend schnelle Spielweise mit einer Vorliebe für schrille Töne, extreme dynamische Unterschiede. Dazu passt Randy Breckers Trompete, die eher an Maynard Ferguson erinnert als etwa an Miles Davis oder an Wynton Marsalis. Dazwischen gibt es auch langsame, balladenhafte Titel, aber es sind die rasanten Läufe, die sich einprägen. Sie stellen an das Zusammenspiel von Solisten und Arrangement höchste Anforderungen. Das ist virtuos, aber eben nicht nur virtuos, sondern auch musikalisch überzeugend. Der Sound des Blechs wird optimal zur Geltung gebracht. Die Live-Aufnahme kommt dieser Musik entgegen. Besser wäre nur noch ein tatsächliches Konzert, hier und jetzt.
Ein ärgerliches Kuriosum: auf dem Cover findet man gleich zwei Mal den Namen des Arrangeurs Vince Mendoza, nirgends aber die Komponisten der Stücke. Dafür sind lobenswerterweise die Namen der Solisten bei den einzelnen Titeln angeführt.
Thomas Rothschild
Randy Brecker w/Michael Brecker: Some Skunk Funk. BHM Productions, BHM 1004-2.
Hier ins Album reinhören!