Man mag sich streiten, ob der beste Song des 20. Jahrhunderts von den Beatles stammt oder von Elton John, von Cole Porter oder von George Gershwin. Ein Kandidat für diesen Titel wäre jedenfalls auch der "Septembersong" von Kurt Weill, dem Komponisten der "Dreigroschenoper". Man findet ihn zusammen mit zehn weiteren Songs des nach Amerika emigrierten Deutschen auf der CD "Lonely House". Gesungen werden sie von Jutta Czurda, ursprünglich Choreographin und am Stadttheater Fürth engagiert.
Der Sängerin steht ein hervorragendes Trio zur Seite mit dem Amerikaner Richie Beirach am Klavier und den Stuttgartern Gregor und Veit Hübner an der Violine und am Kontrabass. Man kommt gut ohne Schlagzeug aus. Die Arrangements von Richie Beirach holen aus dem Material heraus, was es hergibt. Wenn gegen diese ebenso schöne, wie nachdenkliche CD etwas einzuwenden ist, dann nur dies: dass fast alle Songs im gleichen Tempo interpretiert werden. Offenbar wollten die Vier jede Silbe, jede Note auskosten. An manchen Stellen könnte man sich durchaus etwas mehr Drive wünschen. Aber das sollte niemanden davon abhalten, sich dieser Huldigung an Kurt Weill zu zuwenden. Sie ist es wert, über den "Septembersong" hinaus.
Thomas Rothschild
Czurda/Beirach/Hübner/Hübner: Lonely House. Kurt Weill Songs. Laika Records, 3510209.2 (Vertrieb: Rough Trade).
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