Es gibt sie noch, die Newcomer. Man kann durchaus noch Entdeckungen machen. Man wird sie freilich eher auf kleinen, abgelegenen Labels finden als bei den großen Firmen, die nur veröffentlichen, was sich voraussehbar rechnet.
Till Kersting ist ein bemerkenswerter Rock- und Bluesmusiker, als Sänger ebenso wie als Gitarrist. Seine raue Stimme hat Ausdruck, sein Gitarrenspiel Feeling. Die großen Vorbilder sind unüberhörbar. Aber Kersting ist kein amateurhafter Nachahmer. Er schreibt sich sein Material selbst und interpretiert es mit einem untrüglichen Instinkt für Timing und Phrasierung. Seine Songs sind unmanieriert, mal dynamisch vorwärtsdrängend, dann wieder mit der süffigen Melancholie des Blues. Till Kersting bedient sich aus dem unausschöpflichen Vorrat an musikalischen Mustern, die sich im 20. Jahrhundert in Jazz und Rock herausgebildet haben.
Mit Noel Stevens am Klavier und vor allem herrlich swingend an der Hammondorgel, Michael Paffen am Bass und Bert Smaak am Schlagzeug sowie Grant Stevens, Ilona Gerulat und Daniela Panteleit als Harmoniesängern stehen Till Kersting vorzügliche Musiker zur Seite. Man höre sich nur an, wie das im Titel "I Don't Care" im Dialog zwischen Gitarre und Hammondorgel losmarschiert, um dann zu einem klassischen Blues zu changieren. "Changing Faces" heißt die CD. Man kann das auch als "Changing Phases" lesen.
Thomas Rothschild
Till Kersting: Changing Faces. Pepper Cake/ZYX, PEC 2007-2.
Reinhören in "If You Ever Had It Better"
Reinhören in den Titelsong "Changing Faces"