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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 17:01

 

Franz Bauer: Bouché

24.05.2006

Rothschild's CD-Tipp:

Perkussion

Das sind luzid tänzelnde Improvisationen, frei von Druck und verschwitzter Anstrengung. Sie leben vom Reiz der Klangfarben, die insbesondere Marimba und Vibraphon bereithalten.

 

Beim Stichwort Perkussion (oder, modisch englisch, percussion, sprich "Pörkaschn") denkt man gemeinhin an Begleitung. Sie verleiht einer Gruppe Kolorit, ist auf der Bühne auch dekorativ anzuschauen, und einzelne Perkussionisten haben es zu veritablem Ruhm gebracht, werden von Kollegen geschätzt und sind in zahlreichen Formationen anzutreffen. Aber Perkussionsinstrumente sind schlicht Schlaginstrumente - im Gegensatz etwa zu Streich- oder Blasinstrumenten. Streng genommen ist auch das (Hammer-)Klavier ein Perkussionsinstrument, bei dem lediglich zwischen der Hand und den angeschlagenen Saiten ein komplizierter Mechanismus vermittelt.

Im engeren Sinne versteht man das Xylophon und dessen Verwandte als Perkussionsinstrumente, in der Folklore vorwiegend das Marimbaphon, im Jazz das Vibraphon. Sie haben allesamt bestimmbare Tonhöhen, auf ihnen kann man Melodien spielen wie auf der Violine oder der Klarinette, und zwar sogar mehrstimmig. Dazu kommt eine Vielzahl von Perkussionsinstrumenten mit unbestimmbarer Tonhöhe, die wir eher mit Geräuschen als mit Musik assoziieren und die oft für den Rhythmus zuständig sind.

Franz Bauer beherrscht all diese Instrumente, und dank dem Playbackverfahren kann er sie auch solistisch vereinen. Auf seiner CD "Bouché" spielt er eigene Stücke sowie Varianten von Pink Floyds "Money", von "O sole mio" und der Jazzklassiker "Caravan" und "Nardis". Das sind luzid tänzelnde Improvisationen, frei von Druck und verschwitzter Anstrengung. Sie leben vom Reiz der Klangfarben, die insbesondere Marimba und Vibraphon bereithalten. Diese Instrumente verlocken stets auch zur Virtuosität, aber Franz Bauer scheint sich eher auf musikalische Substanz zu verlassen als auf spektakuläre Eskapaden. Ich werde den Verdacht nicht los, dass der aktuelle Erfolg des chinesischen Pianisten Lang Lang vor allem auf seiner Rehabilitierung von prononciertem Gefühl beruht. Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass er das Publikum von Clayderman und Einaudi mit der Klassik versöhnen möchte. Da kommt der trockene Gestus Franz Bauers gerade zur rechten Zeit. Er erinnert an eine Musikauffassung, die auf dem Weg zum Rückenmark den Kopf nicht vermeidet.

Thomas Rothschild


Franz Bauer: Bouché. JazzHausMusik, jhm 148.

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