Es wäre vermessen zu behaupten, der Jazz befinde sich in einer Phase der Blüte. Er ist zwar, zumal bei den Ausführenden, nicht tot zu kriegen, wie manche vorübergehend dachten, aber beim Publikum muss man immer wieder Anstrengungen unternehmen, um für Nachwuchs zu sorgen, um Interesse zu wecken für eine Musik, die sich nicht beim ersten Hören unmittelbar einschmeichelt wie Popmusik oder eine zunehmend der Popmusik angenäherte Klassik, wie sie etwa das Klassik Radio, verdünnt durch haufenweise Filmmusik, serviert.
Die zehnte Folge der Anthologien unter dem Titel "Jazzlounge", die sich aus dem renommierten Concord-Katalog bedienen, kann guten Gewissens als All-Star-Kollektion angepriesen werden. Sie vereint Namen, die so etwas wie eine Enzyklopädie des modernen Jazz konstituieren. Die meisten, aber nicht alle Aufnahmen, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen bruchlos ineinander übergehen (wahrscheinlich als Angebot zur Beschallung von Bars), stammen aus den fünfziger Jahren, und die meisten kennzeichnet ein eher entspannter Charakter. Da trifft man unter anderem auf den stilbildenden Gitarristen Wes Montgomery, auf Miles Davis in zwei verschiedenen Quintett-Besetzungen, auf Dave Brubeck mit seinem Saxophonisten Paul Desmond, auf Coleman Hawkins, auf Chet Baker, auf Thelonious Monk, auf das Modern Jazz Quartet, auf Eric Dolphy, auf John Coltrane und auf Ella Fitzgerald. Wer bisher den Einstieg in den Jazz vermieden hat, erhält mit dieser CD eine erstklassige Einführung.
Thomas Rothschild
V.A.: Jazzlounge Vol. 10. Round Midnight. Ayia Napa/ZYX, AYA 55481-2.
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