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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 17:06

 

Hubert von Goisern: derweil

20.07.2006

Rothschild's CD-Tipp:

Gut gejodelt

Hubert von Goisern hat es als einer der Ersten und wohl am erfolgreichsten unternommen, die österreichische Volksmusik aus dem Dunstkreis des Musikantenstadels zu befreien und der modernen Popmusik einzugemeinden. Nun legt er ein Doppelalbum mit seinen besten Titeln vor.

 

Es gibt Assoziationen, die sich kaum überwinden lassen. Wenn Deutsche massenhaft mit Fähnchen auf ihren Autos durch die Straßen fahren, fällt es, allen Beteuerungen vom "großen Fest" zum Trotz, schwer, den Gedanken an nationale Euphorie zu vermeiden. Und beim Anklang von Polka und Schnaderhüpfel, von Ziehharmonika und Jodler bleibt stets ein Rest einer Erinnerung an provinziell-spießige Heimattümelei, die über Jahrzehnte hinweg konservativ besetzt war.
Hubert von Goisern hat es als einer der Ersten und wohl am erfolgreichsten unternommen, die österreichische Volksmusik aus dem Dunstkreis des Musikantenstadels zu befreien und der modernen Popmusik einzugemeinden. Dazu dienten ihm Elemente des Rock, rhythmische Veränderungen, der Einsatz traditionell atypischer Instrumente und Spielweisen. Die Rechnung ging auf, über die Grenzen Österreichs hinaus. Das Original aus dem oberösterreichischen Schuhmacherdorf Goisern, unweit von Bad Ischl, füllt riesige Säle. Und er ruhte sich nicht auf dem einmal gefundenen Rezept aus, bereiste die Welt und nahm exotische Einflüsse auf, um mit neuen Kombinationen zu experimentieren.

Die Doppel-CD "derweil" liefert mit 34 Titeln einen Überblick über das "Werk" des Hubert von Goisern aus den Jahren 1988-2006. Neben den austriakischen Stücken gibt es zum Beispiel eine adaptierte Version von Hoagy Carmichaels Jazzklassiker "Georgia o­n My Mind" oder eine eigenwillige Variante der deutschen Nationalhymne, die ja bekanntlich zuvor schon die österreichische Hymne und noch früher ein Thema aus Haydns "Kaiserquartett" war. Da gibt es "Mercedes Benz", das freilich bei Hubert von Goisern ebenso wenig nach Janis Joplin klingt wie "Georgia o­n My Mind" nach Ray Charles. Dafür erinnert der Siebenminutentitel "Fön" an den Dialektblues, den Friedrich Gulda unter dem Pseudonym Albert Golowin einst kreiert hat. Im Beiheft äußert Hubert von Goisern Bedenken gegen solch einen Rückblick. Interessant ist freilich, dass seine Entwicklung keine geradlinige ist, dass er auch in späteren Jahren zurückgreift auf Formen und Möglichkeiten, die er lange zuvor entwickelt hatte. Eins jedenfalls dokumentiert diese Edition: dass populäre Musik mit Anspruch keineswegs aus Amerika kommen muss. Europa und der Rest der Welt haben uns auch auf diesem Gebiet durchaus noch etwas zu melden.

Thomas Rothschild


Hubert von Goisern: derweil. Sony/BMG, 82876 78785 2.
Homepage von Hubert von Goisern
Reinhören in "derweil"

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