Steve Skaith Band: Mexile.
19.02.2004
Mexikanisches Exil
Bei Liverpool denkt man an die Beatles. Das wird wohl noch lange so bleiben. Aber in Liverpool gab es in den siebziger Jahren auch eine Gruppe, die nannte sich Latin Quarter, und ihr Sänger hieß Steve Skaith. Steve Skaith ist nach Mexiko ausgewandert und hat sich nun zurückgemeldet mit einer Band, die seinen Namen trägt. Die Kontinuität ist bewahrt: die aktuelle CD enthält Songs, die Skaith einst mit Mike Jones für Latin Quarter geschrieben hat. Skaith steht eher in der Tradition der Singer Songwriter als in der des Rock. In Mexiko sind lateinamerikanische Anregungen hinzugekommen. Die Gitarren von Skaith selbst und von Javier Gàmiz bestimmen den Sound. Und dazu die lyrische Stimme des Bandleaders.
Latin Quarter verstand sich als Teil der kritischen politischen Bewegungen der vergangenen Jahrzehnte, und Skaith ist sich treu geblieben. Die Texte, teils von Mike Jones, teils von Skaith sind freilich nicht vordergründig gesellschaftskritisch, sondern verschlüsselt, metaphorisch, sie erzählen auch "private" Geschichten und achten auf eine literarische Qualität, die nicht darauf vertraut, dass man, von der eingängigen Musik berauscht, ohnedies nicht so genau hinhört.
Der Titel der CD kontaminiert "Mexiko" mit "Exil" und lässt sich aussprechen als "M'Exile", "mein Exil" also. Die CD bringt Skaith zurück nach Europa. Es lohnt, ihn willkommen zu heißen.
Thomas Rothschild
Steve Skaith Band: Mexile. pläne 88885