Nino DAngelo: Terranera
19.02.2004
Der andere Nino D'Angelo
Die Eindeutigkeit, mit der das Publikum aus den unterschiedlichsten Ländern beim aufgemotzten Grand Prix des europäischen Schlagers dem türkischen und vor allem dem polnischen Beitrag seine Stimme gab, beweist, dass die so genannten "einfachen Leute" einen besseren Geschmack und mehr Verstand haben als die bestallten Kommentatoren, die dem Wettbewerb ein hohes Niveau bescheinigten. Denn die übrigen Beiträge glichen einander musikalisch und übrigens auch in den kitschigen Choreographien bis zur Verwechselbarkeit. Man kann den Menschen wirklich mehr zumuten als das ewige Siegel-Tralala mit austauschbaren Protagonist(inn)en.
Dass auch der Schlager den Rahmen des Üblichen sprengen kann, beweist nun schon seit vielen Jahren Nino D'Angelo, den man nicht mit dem deutschen Schlagersänger gleichen Namens verwechseln sollte. Seine Lieder sind, wie es dem Genre entspricht, durchaus kommerziell, sie wollen nicht mehr sein als Unterhaltung. Aber eben gute Unterhaltung, mit Einfällen, mit sorgfältigen Arrangements, mit Melodien, die man mehr als einmal hören kann, ohne sich vor sich selbst zu genieren.
Die 2001 erschienene, in Deutschland kaum beachtete CD Terranera, gesungen in D'Angelos neapolitanischer Muttersprache, enthält insbesondere ein Canzone, dem man eine Faszination nicht absprechen kann: Jesce Sole. Auch hier muss man sich vor einer Verwechslung hüten. Es handelt sich nicht um das alte Madrigal gleichen Namens, das die wunderbare Nuova Compagnia di Canto Popolare in ihrem Repertoire hat. Es ist ein Schlager. Beim Grand Prix freilich war etwas von dieser Qualität nicht zu hören. Allenfalls aus Polen...
Thomas Rothschild
Nino D'Angelo: Terranera. S4 5045712