M.Pollini/Wiener Philharmoniker: Mozart - Klavierkonzerte
28.09.2006
Rothschild's CD-Tipp:
Unromantisierend
Mozarts viel gerühmte Leichtigkeit: bei Pollini wird sie zum Erlebnis. Leichtigkeit heißt freilich nicht Flachheit. Gerade die scheinbar unangestrengte Spielweise Pollinis bringt die Struktur der Komposition zum Vorschein.
Maurizio Pollini ist der Grandseigneur unter den lebenden Pianisten. Er verzichtet auf Schau ebenso wie auf romantisierenden Schönklang. Darin ist der genau das Gegenteil des zurzeit über Gebühr bejubelten Lang Lang. Pollini beherrscht das klassische Repertoire und ist zugleich ein hervorragender Kenner und Interpret zeitgenössischer Musik. Jetzt hat er mit den Wiener Philharmonikern, die er von Klavier aus dirigiert, live im Wiener Musikvereinssaal zwei Klavierkonzerte von Mozart aufgenommen, die er in seiner beträchtlichen Laufbahn noch nie eingespielt hat, die Konzerte 17 in G-dur, KV 453, und 21 in C-dur, KV 467.
Pollinis klarer, trockener Anschlag bekommt Mozarts transparenter Komposition. Da wird nichts zugekleistert, nichts klanglich aufgemotzt. Fast hat man den Eindruck, als wolle Pollini die Entwicklung des Instruments seit Mozarts Zeiten rückgängig machen. Mozarts viel gerühmte Leichtigkeit: bei Pollini wird sie zum Erlebnis. Leichtigkeit heißt freilich nicht Flachheit. Gerade die scheinbar unangestrengte Spielweise Pollinis bringt die Struktur der Komposition zum Vorschein. Der Kontrast der Stimmungen in den beiden Klavierkonzerten wird von Pollini nicht auf die Spitze getrieben. Und die Wiener Philharmoniker scheinen sich seiner Auffassung untergeordnet zu haben. Dass sie, wie Pollini selbst, über eine makellose Technik verfügen, versteht sich ohnedies fast von selbst.
Thomas Rothschild
Maurizio Pollini/Wiener Philharmoniker: Mozart: Klavierkonzerte KV 453 & 467. Deutsche Grammophon, 00289 477 5795.