Eleni Karaindrou: Elegy for the Uprooting
04.10.2006
Rothschild's CD-Tipp:
Griechische Tonalität
Die Musiken für die Filme von Theo Angelopoulos bilden einen wesentlichen Teil dieser "szenischen Kantate", die auf zwei CDs live aufgenommen wurde. Dazu treten weitere Kompositionen für Filme und Bühneninszenierungen.
Bernard Herrmann, Elmer Bernstein, Alfred Newman, Max Steiner - wer, außer ein paar Cinéasten, könnte die Namen dieser Komponisten nennen, die Filmmusikgeschichte geschrieben haben? Wahrscheinlich fällt jüngeren Leuten beim Stichwort Filmmusik noch am ehesten Sergio Morricone ein. Und in der Tat: der Italiener hat eine eigene, unverwechselbare Handschrift entwickelt, viele Filme tragen seinen Stempel. Aber er ist keineswegs der einzige Filmkomponist, der heute noch darauf besteht, auch musikalisch mehr zu bieten als den üblichen eklektizistischen Einheitssound.
Eleni Karaindrou kennt man, wenn nicht dem Namen nach, so doch durch ihre Wirkung, aus den Filmen von Theo Angelopoulos. Ihre melancholische Musik, die sich ausnimmt wie eine anachronistische Feier der Tonalität, ist den Bildern des großen griechischen Regisseurs kongenial. Die Musiken für die Filme von Angelopoulos bilden einen wesentlichen Teil der "szenischen Kantate" "Elegy for the Uprooting", die auf zwei CDs live aufgenommen wurde. Dazu treten weitere Kompositionen für Filme und Bühneninszenierungen. Manfred Eicher, der Mann von ECM, hat dabei seine Hand im Spiel gehabt. Heute, da jeder, der sich mal in einem Tonstudio aufgehalten hat, den Titel eines Produzenten beansprucht, darf man wieder daran erinnern, wie selten und wie entscheidend dann aber wirklich einfallsreiche Produzenten sind, die sich als Partner und Anreger der Musiker begreifen und dazu auch das Talent haben. Das richtige Maß zu finden zwischen Hilfestellung und schöpferischem Beitrag, zwischen Unterordnung und Zusammenarbeit ist nicht leicht. Manfred Eicher hat es gefunden.
Wenn zu dem Ensemble aus klassischen und traditionellen griechischen Instrumenten, mit der Komponistin am Klavier, und einem Chor noch die Solostimme von Maria Farantouri hinzukommt, denkt man unwillkürlich an Mikis Theodorakis, und das ist keineswegs irreführend. Eleni Karaindrou hat in der Tat eine Menge von dem einst so populären Komponisten zwischen E und U gelernt. Bekannter sind seine vitalen Lieder, aber auch er hat eine Reihe von elegischen Stücken geschrieben, denen Karaindrous Melodien durchaus verwandt scheinen.
Thomas Rothschild
Eleni Karaindrou: Elegy for the Uprooting. ECM New Series, 1952/53.