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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 17:18

 

Josef Myslivecek: Symphonies

21.12.2006

Rothschild's CD-Tipp:

Ein böhmischer Mozart


Als Vorläufer des Genies, als einen Komponisten, der sein Handwerk beherrschte und mit musikalischen Einfällen nicht geizte, darf man den Kollegen aus Böhmen mit Fug und Recht schätzen.

 

Dass aus Böhmen und Mähren überdurchschnittlich viele Komponisten stammen, ist bekannt. Im deutschen Konzertrepertoire konnte sich jedoch aus der Zeit vor Smetana und Dvořák allenfalls Johann Wenzel Stamitz etablieren, der als Begründer der Mannheimer Schule schon fast wie ein Deutscher behandelt wird. Andere Komponisten, wie etwa Pavel Josef Vejvanovski oder Jan Dismas Zelenka, wie František Benda, František Xaver Brixi oder Antonín Rejcha blieben dem gegenüber Geheimtipps. Auch Josef Mysliveček, der von 1737 bis 1781 lebte und mit dem um fast zwanzig Jahre jüngeren Mozart befreundet war, von diesem bewundert wurde, gehört keineswegs zu den geläufigen Namen. Zu Unrecht.

Dass Myslivečeks Symphonien an Mozarts Werk gemessen werden könnten, wäre eine unzulässige Übertreibung. Aber als Vorläufer des Jahrtausendgenies, als einen Komponisten, der sein Handwerk beherrschte und mit musikalischen Einfällen nicht geizte, darf man den Kollegen aus Böhmen mit Fug und Recht schätzen. Das Concerto Köln, auf alte Musik spezialisiert und immer wieder auf der Suche nach wenig bekannten Juwelen, hat unter dem Titel "Il divino Boemo" - "Der göttliche Böhme" - eine CD mit fünf dieser Symphonien, einer dreisätzigen Ouverture und einem Concertino eingespielt. Die Grenzen der Gattungen sind ohnedies fließend, die Bezeichnungen variierten im 18. Jahrhundert, und was tatsächlich als Ouverture zu einer Oper konzipiert war, musste zugleich für die Aufführung im Konzert geeignet sein. Auch die Symphonien bestehen aus jeweils drei Sätzen und stellen der kleinen Streichergruppe Bläser in concertoähnlicher Form gegenüber. Die einzelnen Sätze sind nur selten mehr als drei Minuten lang.

Thomas Rothschild


Josef Mysliveček: Symphonies. Concerto Köln, Deutsche Grammophon/Archiv Produktion, 477 6418.

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