Er ist einer der ganz Großen im Jazz: ein Wiener, der es in den USA zu höchsten Ehren gebracht hat. Joe Zawinul hat Jazzgeschichte geschrieben, als Keyboarder an der Seite von Giganten, allen voran Miles Davis und Cannonball Adderley, als Bandleader (ah, Weather Report!) und nicht zuletzt als Komponist. Sein �Birdland� und �Mercy, Mercy, Mercy� sind längst zu Klassikern geworden und markieren wie kaum ein anderes Stück, was man einst mit dem Label �Jazzrock� versehen hat.
Jetzt gibt es eine Doppel-CD mit zehn Zawinul-Originalen, die der Tastenvirtuose mit dem Perkussionisten Alex Acuna, dem Bassisten Victor Bailey, dem Schlagzeuger Nathaniel Townsley und der WDR Big Band eingespielt hat. Die Live-Aufnahme trägt die unverwechselbare Handschrift Zawinuls: vorwärtsdrängende, sich überschlagende Melodien mit Rhythmen, die in die Beine gehen. Die starke Bläserbesetzung hält ein erstaunliches Gleichgewicht zwischen Disziplin und Anarchie, zwischen Arrangement und dem Eindruck eines Haufens von Individualisten. Die bis zu knapp zwölf Minuten langen Stücke lassen Raum für variationsreichen Umgang mit den Ohrwurm-Themen. Jazz ist nicht nur Blues, er ist auch gute Laune, und bei Zawinul ist er das in gesteigertem Ausmaß.
Thomas Rothschild
Joe Zawinul: Brown Street. 2CD. BirdJAM/Intuition, INT 3450 2 (Vertrieb: SunnyMoon).
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