In den Jahren, als die Gitarre zum wichtigsten Instrument des Rock wurde, geriet die Jazzgitarre in der Tradition eines Charlie Christian, eines Wes Montgomery, eines Barney Kessel, eines Kenny Burrell oder eines Jim Hall ein wenig in Vergessenheit. In Deutschland war es allen voran Volker Kriegel, der die Jazzgitarre auf höchstem Niveau am Leben erhielt. Einer, der diesem Instrument treu geblieben ist, ohne sich aktuellen Moden anzubiedern, ist Michael Sagmeister. Seine neue CD mit dem programmatischen Titel „Soul Ticket“ kommt funky daher, aber der Sound seiner Gitarre und der Stil seines Spiels sind der skizzierten Tradition verpflichtet. Neben eigenen Titeln spielt Sagmeister Stücke von John Coltrane ("Giant Steps"), Wes Montgomery, Al Jarreau, José Feliciano, Bobby Hepp ("Sunny") und Charles Fox ("Killing Me Softly"). Gerade Wes Montgomerys "Road Song" gibt Sagmeister Gelegenheit für sprudelnde Läufe, für Intensität ohne Druck, für einen Jazz, der Entspanntheit mit rhythmischer Präzision verbindet.
Für den Funk sorgt die hervorragende Band: Hansmartin Eberhardt am Saxophon, der bewährte Christoph Spendel an den Keyboards, Andreas Fetzer an der Rhythmusgitarre, Claus Lindenmayer am Bass und Michael Küttner an Schlagzeug und Percussion. Die Sängerin Britta Medeiros erweist sich als die Schwachstelle dieser Session. Ihrer Stimme fehlt es an Fülle und an Ausdruck. Fast möchte man bedauern, dass sich die Gruppe nicht zu einer reinen Instrumentalaufnahme entschlossen hat.
Thomas Rothschild
Michael Sagmeister: Soul Ticket. Acoustic Music, 319.1372.2.
Reinhören bei Acoustic Music