Ein wenig erinnert sie an Peggy Lee. Die Kanadierin Holly Cole ist eine im besten Sinne altmodische Jazz-Sängerin. Die Titel, die sie sich für ihre CD ausgewählt hat, sind größtenteils vertraut. Das hat den Vorteil, dass sich der Hörer auf die Interpretation konzentrieren kann: Was macht Holly Cole daraus? Das ist stets originell, und die Arrangements der hervorragenden Band, die mal klingt wie eine Big Band, mal wie Django Reinhardts Hot Club de Paris, unterstützen sie dabei. Es sind ja auch wirklich überdurchschnittliche Melodien, die Holly Cole bevorzugt, aus Filmen wie "Charade" oder "Die Regenschirme von Cherbourg", oder Evergreens, die nicht zufällig zu Evergreens wurden.
Holly Cole setzt nicht auf Kraft, sondern auf Subtilität, auf rhythmische Akzentuierung und den erotischen Reiz der Intimität. Bei Irving Berlins "Be Careful, It's My Heart" lässt sie sich nur von Aaron Davis am Piano begleiten. Gleich darauf folgt eine rasante Version von Cole Porters "It's Alright With Me". Wenn das Chanson der Beitrag Frankreichs zur musikalischen Populärkultur ist und das Canzone die spezifisch italienische Variante, dann sind es Songs, wie Holly Cole sie interpretiert, und ihre musikalische Leichtigkeit, worin Nordamerika unübertroffen geblieben ist. Dieser Jazz, der unter die Haut geht, unterscheidet sich wohltuend von seelenlosen Fließbandprodukten, wie sie uns von immer neuen und bald vergessenen Namen geliefert werden.
Thomas Rothschild
Holly Cole: dito. Tradition & Moderne, T&M 039 (Vertrieb: Indigo).
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