Was man mit einer Stimme doch alles machen kann. Mark Murphy führt eine Tradition fort, die heute nicht mehr allzu viele hervorragende (männliche) Repräsentanten vorzuweisen hat, die Tradition des gesungenen Jazz. Und er beherrscht die ganze Bandbreite dieser Tradition: die Verwendung der Stimme als Instrument im Scat, den lyrischen Ton der Crooner, den vorwärtsdrängenden Rhythmus und den zarten Ton der erzählenden Ballade. Unterschiedlich wie seine Interpretationsansätze ist das Material, an dem Murphy seine Improvisationskunst demonstriert. Es stammt aus dem Jazzbereich im engeren Sinne, aus der Countryecke („So Doggone Lonesome“ von Johnny Cash) und aus dem Repertoire der gehobenen Unterhaltungsmusik und des Musicals. Zwei Titel hat Mark Murphy selbst geschrieben.
Produziert wurde die CD von Till Brönner, dem Jazzunterhalter auf Klassik Radio, der selbst in der Band mitspielt und einige Nummern arrangiert hat. Auch die Besetzungen und Arrangements lassen sich nicht über einen Leisten schlagen. Wo das Deutsche Symphonie Orchester Berlin allzu heftig aufgeigt, ist es nicht mehr weit zum Kitsch. Entschädigt wird man dann durch einen Gastauftritt des großen Altsaxophonisten Lee Konitz. Am ehesten überzeugt Murphy im Einklang mit kleineren Besetzungen.
Mark Murphy ist kein Newcomer. Seine ersten Aufnahmen liegen mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Die jüngste CD aber bietet auch jenen Musikliebhabern Gelegenheit, einen Jazzsänger von Format zu entdecken, die ihn bislang übersehen haben.
Thomas Rothschild
Mark Murphy: Love Is What Stays. Bam Bam, 06025 1714489.
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