Ja, gibt's die noch? Es gibt sie noch, und sie singt betörend wie eh und je, seit immerhin 45 Jahren. Françoise Hardy hat eine neue CD aufgenommen, und zwar, auf Vorschlag der Plattenfirma Virgin, zwölf Titel (leider nur eine knappe Dreiviertelstunde) mit wechselnden Partnern. Das sind, unter anderem, Alain Delon, Jacques Dutronc, Julio Iglesias, Alain Souchon, Henri Salvador, und alle erwecken sie singend den Eindruck, als wären sie in Françoise Hardy verliebt. Eine Partnerschaft fällt aus dem Rahmen. Françoise Hardy singt einen Walzer von Brahms, und am Klavier sitzt eine Starpianistin, die sich, was die Schönheit betrifft, mit Françoise Hardy messen kann: Hélène Grimaud.
Musikalisch sind die Stücke von unterschiedlicher Qualität. Eine strenge Grenze zwischen Chanson und Schlager lässt sich nicht ziehen. Machen wir uns nichts vor: in deutscher Sprache gesungen kämen einige Titel für das "Chanson" nicht in Frage. Das Chanson ist nicht nur durch seine Form, seine Inhalte - die berühmten "kleinen Dramen" - definiert, sondern auch durch seinen Vortrag. Der ist, jedenfalls bei Françoise Hardy, ganz im Gegensatz zur Rockmusik, intim, fragil, eher erotisch als sexy. Immerhin singt Françoise Hardy hier ein Chanson von Charles Trenet, einem der Giganten des Genres. Zu mehreren anderen Chansons hat sie selbst die Texte geschrieben. Es gibt sie also noch, die Françoise Hardy, und es gibt noch das französische Chanson. Diese Entdeckung hat etwas Tröstliches.
Thomas Rothschild
Françoise Hardy: (Parenthèses…). Virgin, 094635040227 (Vertrieb: EMI).
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