Wer beim Namen Ry Cooder an lange elegische Gitarrenbögen denkt und im Geiste Bilder von weiten amerikanischen Landschaften vor sich sieht, Bilder aus einem Film von Wim Wenders, wird sich über “My Name Is Buddy” wundern. Ry Cooder ist zu den Wurzeln des amerikanischen Folk zurückgekehrt, zu den einfachen Melodien der populären Country Music. Auch Jazz, Square Dance und Blue Grass klingen an, sachte, unaufdringlich. Leadbelly und Woody Guthrie standen Pate für diese CD, und das Finger Picking auf dem Banjo spielt hier eine größere Rolle als der typische melancholische Cooder-Sound. Sie sind kurz, diese Songs, und daher passen siebzehn Stück auf die Scheibe. Und sie stehen, wenn man auf die Texte horcht, in einer bestimmten Tradition: der Tradition der amerikanischen gewerkschaftlichen Songkultur, wie sie vor allem die Almanach Singers und dann Pete Seeger lange Zeit am Leben erhalten haben.
Der Buddy im Titel des Konzeptalbums ist eine Katze. Sie liefert den roten Faden für die Abfolge der Songs, die politisch und poetisch zugleich sind, prominente Gäste unterstützen Ry Cooder bei der Interpretation. „My Name Is Buddy“ repräsentiert eine Seite der USA, die man eher in dem Film „Bread and Roses“ des Engländers Ken Loach entdeckt als in der medialen Selbstdarstellung des amerikanischen Entertainment. Die beiden letzten Songs „Farmgirl“ und „There’s A Bright Side Somewhere“ haben das Zeug, zu Hits zu werden. Warten wir’s ab.
Thomas Rothschild
Ry Cooder: My Name Is Buddy. Nonesuch, 0755979961-2.
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