Various: The Blues Greats
04.04.2007
Rothschild's CD-Tipp:
Die Größten
Hier hat man sie nun beisammen: Willie Dixon und Memphis Slim, Joe Williams und Lonnie Johnson, Sonny Boy Williamson und Muddy Waters...
Musikmoden kommen und gehen. Der Blues aber hat nun eine mehr als hundertjährige Geschichte und ist lebendig wie eh und je. Das einfache Schema scheint immer wieder erneuerbar zu sein, seine Grundstimmung eine anthropologische Konstante. Jazz und Rock sind ohne den Blues nicht denkbar. Das inflationäre Gerede von den „Wurzeln“, den „Roots“, hat in Bezug auf den Blues seine Berechtigung.
Auf einer CD mit dem Allerweltstitel „The Blues Greats“ hat man sie nun beisammen, die Größten des Blues: Willie Dixon und Memphis Slim, Joe Williams und Lonnie Johnson, Sonny Boy Williamson und Muddy Waters, (leider nur) 50 Minuten ungetrübten Genusses. Gewarnt sei vor falscher Romantik: diese Blueskünstler hocken nicht armselig am Straßenrand, von den Anfängen in New Orleans sind auch sie meilenweit entfernt. Sie haben das Handwerk des Entertainment erlernt und beherrschen es. Sie wissen, wie man das Publikum „anmacht“, aber bei der Musik gehen sie keine Kompromisse ein. Sonny Boy Williamson legt lässig Aktentasche, Schirm und Melone ab, ehe er zu seiner Mundharmonika greift. Man höre sich Muddy Waters mit “Got My Mojo Working” oder Amos Milburn mit „Bad Bad Whiskey“ an. Das nimmt so manches vorweg, was in der Rockgeschichte Begeisterungsstürme hervorrief. Die Dame in dieser Herrenrunde heißt Victoria Spivey. Sie begleitet sich am Klavier, und ihr intensiver Gesang erinnert an Ma Rainey. Ein Leckerbissen.
Auch visuell ist diese DVD ein reines Vergnügen. Wir dürfen den Musikern zusehen, ohne dass eine wild gewordene Kamera eher dem Ehrgeiz des Kameramanns als der Musik gerecht zu werden versucht.
Thomas Rothschild
Various: The Blues Greats. Passport Video, DVD-1555 (Vertrieb: in-akustik).