Was die französische Gruppe Bratsch so sympathisch erscheinen lässt, ist die unorthodoxe Unbefangenheit, mit der sie sich die unterschiedlichsten europäischen Musikrichtungen zueigen macht. Die Folklore der Zigeuner und der Juden, osteuropäische Tanzformen und das französische Chanson werden da durcheinandergemischt, und die übermütige Fröhlichkeit dieser Melodien fasziniert nicht weniger als die Melancholie, die mit ihr kontrastiert und manchmal sogar zu einer Synthese gerinnt. Kein Wunder, dass renommierte Sänger und Musiker Vergnügen daran finden, bei dieser Gruppe zu gastieren, Khaled etwa und Sanseverino, Nourith und Charles Aznavour.
Bei Bratsch verschwimmen die Grenzen zwischen Folklore im engeren Sinne, also zwischen traditionellen Stücken, deren Autoren längst vergessen sind, und komponierten Stücken im Geist dieser Folkloren. Die Musik von Bratsch lädt zum Tanzen ein, sie ist in höchstem Maße gestisch. Und die Arrangements nutzen die Möglichkeiten der Instrumente, kein Titel klingt wie der andere. Unterhaltungsmusik: hier bekommt dieser oft abschätzig benützte Begriff seine Würde zurück.
Thomas Rothschild
Bratsch: Plein du Monde. EMI, 0946 3870102 8.
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