Ein Saxophon und ein Klavier: mehr braucht es nicht, um hervorragenden Jazz zu produzieren. Da geht einem keine Rhythmusgruppe ab, kein Kontrabass und kein Schlagzeug fehlt zum vollkommenen Glück.
Das Saxophon (in seiner Sopran- und seiner Tenorvariante) bläst Joe Lovano. Dass er zu den Meistern seines Instruments gehört, muss man niemandem erzählen, der sich für Jazz interessiert. Er liebt den glatten, „schönen“ Ton, improvisiert über die Themen, ohne sich zu weit von der ursprünglichen Melodie zu entfernen, aber mit höchster Intelligenz: keine Note ist überflüssig, jede Tonfolge scheint geradezu zwingend.
Die eigentliche Sensation dieser Aufnahme aber ist der Pianist: Hank Jones. Wie er, fast 90 Jahre alt, mal ein paar leise Töne hintupft, wie er die Melodiebogen seines Partners strukturiert, wie er dann, wenn er mal solistisch dran ist, mit diversen stilistischen Eskapaden überrascht, das ist atemberaubend. Genau genommen haben wir es ja doch mit einem Trio zu tun, denn die linke und die rechte Hand des Pianisten sind gleichberechtigt und selbständig, ersetzen also zwei Instrumente. So differenziert und zugleich unangestrengt hat man lange kein Piano mehr gehört.
Das Material, das die beiden Jazzer live eingespielt haben, stammt teils von ihnen, teils von Hank Jones’ Bruder Thad, teils handelt es sich um Standards wie „Oh, What A Beautiful Mornin’“ von Rodgers und Hammerstein, „Four In one“ von Thelonious Monk oder „Budo“ von Bud Powell.
Thomas Rothschild
Joe Lovano And Hank Jones Live At Dizzy’s Club Coca-Cola: Kids. Blue Note, 0946 3 70281 2 4 (Vertrieb: EMI).
Reinhören bei Amazon