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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 17:35

 

Ringsgwandl: Der schärfste Gang

02.08.2007

Rothschild's CD-Tipp:

Komisch ernst

Ringsgwandl steht auf der Seite der Randexistenzen, abseits vom schillernden Betrieb des Showbusiness.

 

Es ist in vergangener Zeit still geworden um den Liedermacher (Georg) Ringsgwandl. Er ist ein schräger Vogel, und als er, der Bayer, die Szene betrat, galt er zu Recht als einer der originellsten Vertreter des Genres – nicht nur wegen seiner auffälligen Gesichtsbemalung, seiner grotesken Bühnenauftritte, auch nicht wegen der eher ungewöhnlichen Tatsache, dass er im bürgerlichen Leben Arzt ist. Ringsgwandls Lieder, meist im Dialekt verfasst, halten die Balance zwischen volkstümlichem, auch zotigem Witz und ernsthaften Überlegungen, zwischen gut beobachteten Alltagsgeschichten und politischer Einmischung. Wenn Ringsgwandl blödelt, dann stets mit Niveau. Und wenn er kritisiert, dann stets in einer Sprache, die mehr anpeilt als billigen Gesinnungsapplaus.

Auch Ringsgwandls Lieder auf der CD „Der schärfste Gang“, begleitet von Nick Woodland an Gitarre und Mandoline, Florian Anselm Schmidt an Bass, Gitarre und Keyboards, Manni Mildenberger an Schlagzeug, Gitarre und Keyboards, halten, was man sich von dem Mann – er selbst spielt Zither und Gitarre – erwarten darf. Da geht es um die komplizierte Welt, in der der eine die Umwelt und der andere seinen Hund schützt, um die fesche Politesse Vroni, die Männer nur beim Parken interessieren, und um die Starken, die die Schwachen fressen. Ringsgwandl will keine Heilige und keine Schlampe, sondern „nur eine ganz normale Frau“, und wenn es mit der Konjunktur nicht so läuft, wie es sollte, dann hat das der Ringsgwandl verschissen, weil er, wie er bekennt, ein Konsumverweigerer ist.

Es gibt Berührungspunkte zwischen Ringsgwandl und dem kürzlich verstorbenen Georg Danzer. Die Musik ist bei Ringsgwandl stärker folkloristisch angehaucht, weniger perfekt, es fehlen die Inspirationen von Dire Straits, Beatles und Bobby McFerrin. Dafür sind die Texte sprachlich ausgefeilter, die Reime weniger verkrampft, die Bilder weniger verbraucht. Beide, Danzer wie Ringsgwandl, stehen, ganz unzeitgemäß, mit ihren Liedern auf der Seite der Randexistenzen, abseits vom schillernden Betrieb des Showbusiness. Vielleicht ist es darum um Ringsgwandl still geworden. Über die Qualität seiner Lieder sagt es nichts aus.

Thomas Rothschild



Ringsgwandl: Der schärfste Gang. Lawine, 82876 87860 2 (Vertrieb: Sony/BMG).
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