Prosper Mérimées Zigeunerin Carmen von Sevilla auf den Balkan zu übersiedeln, ist nicht sonderlich schwierig. Problematischer wird es schon mit Georges Bizets pseudospanischer Musik. Denn die Musik der Zigeuner in Osteuropa hat mit der Spaniens nichts gemeinsam.
Goran Bregovic, einer der originellsten Protagonisten der europäischen Popmusik, hat seine eigene „Carmen“ verfasst. Sie schreibt sich mit K, also Karmen, und die Geschichte hat bei ihm, wie er schon im Titel ankündigt, ein Happy End. Bregovics Zigeuneroper ist witzig, und seine Musik ist es erst recht. Die Wedding and Funeral Band von Goran Bregovic drückt aufs Tempo, überschlägt sich mit Blechbläserkaskaden, die gute Laune nicht nur ausdrückt, sondern auch produziert. Mit der „Carmen“, die wir kennen, hat das alles nicht mehr viel zu tun, nur die berühmte Habanera klingt immer wieder an. Das Ganze ist ein übermütiger Riesenspaß, und die Musik ist von verführerischer, wilder Schönheit. Reinhören, meine Damen und Herren.
Thomas Rothschild
Goran Bregovic’s Karmen with a Happy End. Mercury, 984 848-9 (Vertrieb: Universal).
Homepage von Goran Bregovic