Die „Erfindung“ des Rock’n’Roll wurde gelegentlich und nicht zu Unrecht als Prozess der Enteignung beschrieben. Was aus einer schwarzen Tradition erwachsen war, wurde von Weißen kommerziell ausgebeutet. Fats Domino war, neben Little Richard und Chuck Berry, einer der wenigen schwarzen Rock’n’Roller, die sich neben der weißen Konkurrenz behaupten konnten. Seine Aufnahme von „Blueberry Hill“, allerdings gerade kein typischer Rock’n’Roll-Titel, wurde zu einem All-Time-Hit, dessen Einleitung auf dem Klavier bis heute sofort identifiziert wird.
Jetzt gibt es eine Doppel-CD mit Cover-Versionen von Songs des großen Sängers aus New Orleans, von ihm geschrieben oder jedenfalls aus seinem Repertoire. John Lennon huldigt ihm und Tom Petty, B.B. King und Elton John (der mit seiner Imitation von „Blueberry Hill“ vor lauter Respekt seine Identität verleugnet) und Taj Mahal, Paul McCartney und Lenny Kravitz, Dr. John und Bonnie Raitt, Randy Newman und Robert Plant, Neil Young und Norah Jones, Lucinda Williams und Toots mit den Maytals, Willie Nelson und Bruce Hornsby, Herbie Hancock und noch einige, kurz: so ziemlich jeder, der im weiteren Umkreis des Rock’n’Roll Rang und Namen hat. Am Ende verabschiedet die Preservation Hall Jazz Band, die Veteranenband aus New Orleans, den Hörer mit „When Tha Saints Go Marching In“. Fehlt nur noch der Meister selbst.
Die Einkünfte aus der Doppel-CD sollen dem Wiederaufbau von New Orleans zugute kommen nach dem Hurrikan Katrina, zu dessen Opfern auch Fats Domino gehörte.
Thomas Rothschild
Various: Goin’ Home. A Tribute To Fats Domino. 2CD. Vanguard, 50999 5 08053 2 7 (Vertrieb: EMI).
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