Folk ist aus der Mode gekommen. Schade. Ist es Zufall, dass diese Musikrichtung just in jenen Jahren populär war, von denen man heute fast nur im Zusammenhang mit „Terrorismus“ spricht, und dass es oft als „Sympathisanten“ Denunzierte waren, die auch einen guten Teil des Folkpublikums ausmachten? Diese friedliche, manchmal sogar sentimentale Musik war Ausdruck jener romantischen Gefühle, die auch – das wird gerne unterschlagen – mit der Kälte eines Raubtierkapitalismus haderten und eine humanere Gesellschaft herbeisehnten. Auf der Burg Waldeck trafen sie zusammen, und zwar keineswegs nur antagonistisch, wie das zuweilen von Renegaten dargestellt wird.
Ray Austin, der Engländer, der seit bald vierzig Jahren in Freiburg im Breisgau lebt, war schon damals ein gern gesehener Gast. Sein Gesang vereint Wärme mit Ausdruck, Intimität mit Kommunikation. Seine Songs, Strophenlieder in der Regel, folgen tatsächlich dem Muster traditioneller Folksongs. Sie sind schlicht, eingängig, nachsingbar. Die „Friends“, die Ray Austin auf der vorliegenden CD begleiten, sind Niels Kaiser, Michael Zumstein, Ingo Rau und Vladi Kempf. Gitarre und Mandoline bestimmen den Sound, Bass und Schlagzeug grundieren ihn. Folk mag aus der Mode gekommen sein. Ray Austin besinnt sich auf seine alten Lieder. Es lohnt sich, ihm bei dieser Wiederentdeckung zu folgen.
Thomas Rothschild
Ray Austin & Friends: No Other Way. Wonderland, WR 9051 (Vertrieb: Rough Trade).
Reinhören bei Amazon