Wer hat nicht als Kind das Lied vom Hänschen Klein gesungen, das allein in die Welt hinein ging, aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr, da besinnt sich das Kind und so weiter. Jessica Gall macht aus dem Hänschen des abgedroschenen Kinderlieds einen verdichteten Peer Gynt, dessen Mutter auch gleich die Rolle der Solveig übernimmt. Der Bonustrack ist zugleich der berührendste und spannendste Song ihrer CD „Just Like You“. Bei den übrigen Titeln, darunter John Lennons „Imagine“ und mehrere Eigenprodukte, huldigt Gall der hingehauchten Langsamkeit.
Das wäre reizvoll, würde es nicht zur Masche. Was am Anfang, zumal im titelspendenden ersten Track „Just Like You“, noch fasziniert, die Intimität der Stimme, die Nachdenklichkeit des Gesangs, droht bald zu nerven. Dabei sind auch die Arrangements der kleinen, zurückhaltenden Begleitband – Bene Aperdannier an den Keyboards, Jo Ambros an Gitarre und Dobro, Edward Maclean am Bass und Martell Beigang am Schlagzeug – bemerkenswert. Ein Stück heißt „Everybody’s Got To Learn Sometime“. Das gilt auch für Jessica Gall. Die vorhandenen Voraussetzungen sind gut.
Thomas Rothschild
Jessica Gall: Just Like You. Sony Classical, 88697275232 (Vertrieb: Sony BMG).
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