Die freshesten Bands auf diesem Planeten kommen aus welcher Stadt? London, sagen vielleicht die einen und denken an Indiegrößen wie Bloc Party und die Libertines, Paris die anderen und meinen hippe Elektroacts wie Justice und Daft Punk. Ganz sicher dürfte auch der Name New York fallen. Gemeint sind die pionierenden Strokes oder TV on the Radio.
Nicht gemeint sind The Walkmen, die aus denselben starschmiedenden Gefilden stammen wie die Letztgenannten. Obgleich spätestens seit „Bows and Arrows“ (2004) gefeiert von Indiepostillen wie Pitchforkmedia.com, hat der große Hype The Walkmen zumindest in Europa links liegen gelassen. Daran wird sich auch mit ihrem neuen Werk „You & Me“ nichts ändern.
Zeitgeist? Pah!Aber vielleicht verdreht man so nur das tatsächliche Verhältnis. Vielleicht ist es vielmehr so, dass The Walkmen den Hype links liegen lassen. Man hört ihrer Musik an, dass sie sich um nichts weniger schert als Zeitgeistigkeit. Orgeln pfeifen in bester Doors-Manier, die Gitarren scheppern bluesig und hallend wie auf einer Tom Waits-Scheibe und Sänger Hamilton Leithauser klingt, als wäre der Dylan in ihn gefahren. Das Album ist verraucht und durchadert von einem lakonischen Zorn, der nie so ganz durch die dünne Haut brechen will. Man würde hinter dieser altersweisen Musik nicht die fünf jungen Typen vermuten, die The Walkmen sind.
Naja, könnte man einwenden, die Strokes seien auch nichts anderes als die wiederauferstandenen Velvet Underground. Außerdem zergehe sich die zeitgenössische Popmusik allgemein nur noch in Zitaten. Touché! Anders als auf einer Strokes-Platte fehlt auf „You & Me“ tatsächlich der Wille zum Hit, zur Indie-Hymne. Die Musik gebietet in ihrer elegisch-meditativen Getragenheit ein gewisses Maß an Zurückhaltung, niemals will sie den Pokal, mitgröhlende Fans in engen Jeans und volle Dancefloors.
Benjamin Borgerding
The Walkmen: You & Me. Talitres R (Vertrieb: Rough Trade).
Reinhören bei MySpaceThe Walkmen live:25. Oktober/ Köln, Gebäude 9
26. Oktober/ Hamburg, Molotow