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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 17:55

 

Django Reinhardt: lor de django

22.02.2004

 



Django forever




 

In der Jazzgeschichte gab es nur eine Handvoll Gitarristen, die völlig neue Möglichkeiten dieses Instruments entdeckt und entwickelt haben. Django Reinhardt zählt dazu. Wer wissen will, was Swing bedeutet, muss seine Aufnahmen hören. So leicht, so locker, so luftig hatte bis dahin keiner die Gitarre gespielt, ob als solistisches Melodieinstrument, ob als akkordisches Rhythmusinstrument. Lange bevor die Gitarre im Rock ins Zentrum rückte, hat Django Reinhardt ihr einen gleichberechtigten Platz neben Klavier und Blasinstrumenten erkämpft. Innerhalb des Swing gehörte er zu jenen, die den Big Bands eine kammermusikalische Spielart entgegensetzten. Seine Improvisationen weisen einen unerschöpflichen Phantasiereichtum aus. Und bei Django Reinhardt kann man studieren, dass es in der Musik eigentlich keines technischen Aufwands - will sagen: von Apparaten - bedarf. Sechs Saiten auf einem Holzkörper tun's, wenn man so mit ihnen umgehen kann wie der begnadete Künstler, dem auf der linken, der Griffhand zwei Finger fehlten.

Dass Django Reinhardts Einspielungen bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben, liegt auch an der Uneitelkeit des Meisters. Es gibt Soloaufnahmen, aber wo er mit anderen zusammen musizierte, pflegte er den Ensemblegedanken im emphatischen Sinne. Es ist ein kompakter Sound, der da entsteht und zu dem jedes Mitglied der Combos beitrug. Und wer da meint, „handgemachte“ Musik ließe sich artifiziell beliebig herstellen, wird eines Besseren belehrt. Die Lebendigkeit der Aufnahmen, an denen Django Reinhardt beteiligt war, lässt sich nicht elektronisch imitieren.

Das französische Dreyfus-Label hat nun auf zwei CDs 43 Titel gebrannt, die ursprünglich 1939 in Paris und Chicago aufgenommen wurden. Es finden sich da solche Standards wie der St. Louis Blues, Ol' Man River, In A Sentimental Mood, Sweet Georgia Brown, I'll See You In My Dreams, Body And Soul, Embraceable You, Tea For Two (in Djangos unübertrefflicher Soloversion), Just o­ne Of Those Things, sowie längst „klassische“ Kompositionen von Django Reinhardt selbst wie Minor Swing, Daphné, Nuages, Souvenirs, Fantaisie oder Djangology. Man hört den Gitarristen mit seinen legendären Besetzungen des Hot Club de France - unverzichtbar: Stéphane Grappelli an der Violine - und mit solchen Giganten wie dem Klarinettisten Barney Bigard oder dem Orchester von Duke Ellington. Die Aufnahmen - und da kommt nun die Technik ins Spiel - wurden so perfekt bearbeitet, dass man ihnen die 64 Jahre nicht anmerkt, die sie am Buckel haben, ohne dass sie deshalb steril wirkten.

Thomas Rothschild
Django Reinhardt: l'or de django. Dreyfus Jazz FDM 36648-2.

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