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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 17:57

 

Gentle Giant., Dixie Dregs, Greatest Hits Live!

22.02.2004





Das Erbe einer Radiosendung




 

„The King Biscuit Flower Hour“ war von 1973 bis 1995 eine amerikanische wöchentliche Rundfunksendung, in der die damals aktuellen Rockgruppen jeweils mit einem Livekonzert vorgestellt wurden. Nach dem Ende der Sendung hat man die Archive geöffnet, und zum Vorschein kam das Material für neue CDs mit einigen Gruppen, die sich unauslöschlich mit einem eigenen Idiom in die Rockgeschichte der siebziger Jahre eingeschrieben haben. Der deutsche Vertrieb in-akustik bringt sie nun nach und nach auf den hiesigen Markt.

Zum Beispiel Gentle Giant. Für die Dogmatiker des Authentischen ist diese Gruppe ein Grauen. Was sie produzierte, war Artrock im emphatischen Sinne, allerdings nicht aus jener Sektion, die sich zur gleichen Zeit experimentell dem Jazz und der zeitgenössischen E-Musik annäherte wie etwa King Crimson oder Henry Cow, sondern im Gefolge der Versuche - etwa von Emerson, Lake & Palmer oder von Nice -, komplexeren komponierten Strukturen vor der Tanzbarkeit den Vorzug zu geben. Die Musik von Gentle Giant bleibt stets melodiös, unmittelbar eingängig, sie ist nichts weniger als „schwierig“. Ihr Sänger Derek Shulman erinnert an Stevie Winwood und steht unüberhörbar in der Tradition des britischen Rock der späten sechziger Jahre. Die Besonderheit von Gentle Giant sind die komplexen Rhythmen, die ungeraden Taktarten, sowie die manierierten Arrangements. Und daran kann man sich nicht satthören.

Gentle Giant blieb die ganz große Popularität vorenthalten. Die Band hatte eine kleine, aber begeisterte Fangemeinde. Die Dixie Dregs genossen den kurzfristigen Ruhm eines Superhits. Immerhin haben sie zwischen 1976 und 1994 vierzehn Platten produziert, von denen zwölf in den Handel kamen. Ihre Musik ist geradliniger als die von Gentle Giant. Was für diese die alte Musik und die Klassik, ist für jene der Square Dance, der freilich seinerseits auf irische Jigs und Reils zurückgeht. Die Dixie Dregs sind eben Amerikaner, nicht Engländer. Aber auch sie haben aus den Vorgaben einen ganz eigenen Stil entwickelt. Ihre Vitalität äußert sich gern im Tempo und in Temposteigerungen. Das unterscheidet die Dregs von Gentle Giant. Gemeinsam hat die Musik der beiden Gruppen eine starke innere Energie, eine Kraft, die sich nicht in Gedröhne auflöst. Mit Rock'n'Roll hat das nicht mehr viel zu tun. Eine aufregende Spielart des einstmals reichen Rock ist es allemal.

Wer den geradlinigen Rock'n'Roll bevorzugt, ist mit Commander Cody and his Lost Planet Airmen besser bedient. Der Rock'n'Roll macht zusammen mit Country & Western, Boogie Woogie und Hillbilly sein Repertoire aus, unverkünstelt und dynamisch, aber noch mit dem satten Sound, auf den der Punk bald darauf verzichtete. Commander Cody gehört zu den unterschätzten Sängern der Rockgeschichte. Mit King Biscuit hat man nun Gelegenheit, ihn neu zu entdecken.

Thomas Rothschild


Commander Cody and his Lost Planet Airmen: Greatest Hits Live! King Biscuit Flower Hour KBFR 40002-2 (Vertrieb: in-akustik)

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