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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 17:58

 

Blue Haze. Songs of Jimi Hendrix

22.02.2004

 



Hendrix-Erfahrung




 

Nicht immer hält der legendäre Status eines Künstlers einer kritischen Überprüfung stand. Manchmal waren es bloß Äußerlichkeiten, oberflächliche Aufmerksamkeitsreize, die jemanden zu dem machten, was man heute inflationär eine „Ikone“ nennt. Aber es gibt in der Rockgeschichte eine Handvoll Giganten, bei denen der Ruhm tatsächlich auf einer künstlerischen Qualität beruht, die in ihrer Art einmalig und überragend war und blieb. Bob Dylan gehört dazu und Janis Joplin, Eric Clapton und Jack Bruce, John Lennon und ohne Zweifel auch Jimi Hendrix.

Es war sein Gestus, der ihn berühmt machte, und sein die damalige Ästhetik sprengendes Spiel auf der elektrischen Gitarre. Beides, seine Haltung und seine Musik, waren authentischer Ausdruck von Rebellion, von Unangepasstheit, all jener Eigenschaften also, die man dem Rock insgesamt attestierte, die dieser aber nur selten so vollkommen in sich vereinigte wie in den Kundgebungen eines Jimi Hendrix. Seine berühmte musikalische Zerfetzung der US-Hymne war mehr als ein spontaner Einfall. Das war ein Bekenntnis, das nicht weniger deutlich verstanden wurde als die Reden eines Malcolm X.

Über dem Erscheinungsbild und der Interpretationskunst eines Hendrix hat man bisweilen vergessen, dass er eine ganze Reihe hervorragender Songs hinterlassen hat. Das kleine deutsche Ruf-Label lud im Jahr 2000 mehrere Künstler ein, Songs von Hendrix auf ihre Weise zu interpretieren, dazu einen der schönsten Songs von Bob Dylan, der (unter anderem) in der Version von Jimi Hendrix populär wurde: All Along The Watchtower. Neben sehr bekannten Musikern und Sängern wie Eric Burdon, Taj Mahal, Buddy Miles und Michelle Shocked findet man auf der CD auch wenigere prominente Interpreten, wie den ausgezeichneten Bluesgitarristen Walter Trout. Aber alle beweisen sie, dass die Songs von Hendrix unverwüstlich sind. Manche von ihnen halten sich eng an das Vorbild, andere gehen eigenwillig mit dem Material um, das aber sehr unterschiedliche Auffassungen verträgt. Wie sehr Jimi Hendrix im Blues verwurzelt war, ahnt man am stärksten bei den zwei solistischen Aufnahmen von Bernard Allison (Hear My Train Comin') und Aynsley Lister (Little Wing). Mit dem anderen Vorläufer des Rock, der weißen Country Music, hatte er wenig am Hut.

Eine CD, die an einen großen Toten erinnert, ihm Respekt bezeugt und dabei lebendiger und gegenwärtiger ist als das meiste, was sich aktuell im Bereich der U-Musik tummelt.

Thomas Rothschild


Blue Haze. Songs of Jimi Hendrix. Ruf 1053

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