Fred Hersch Trio: Live At The Village Vanguard
22.02.2004
Flotter Dreier: Jazzklassiker
Klassischer gehts nimmer. Der Village Vanguard Club befindet sich, wie das einem richtigen Jazzclub obliegt, unter der Erde. Unter der Hausnummer 178 der 7th Avenue South spielte jede/r, die/der irgendwie im Jazz etwas in anderer Leute Ohren zu befördern hatte. Vom 16. bis 18. Mai 2002 beteiligte sich auch das Fred Hersch Trio an dieser guten Sitte. Im ältesten New Yorker Jazzclub (seit 1934) ließen die Herren das cool-verspielte „Bemsha Swing“ von Thelonious Monk als Einstiegsdroge hören. Es beginnt mit einem Pianosolo, in dem Hersch die Monk-Akzente, extravagante Motivveränderung und Akkordverweigerung, zerlegt. Sechs Stücke von Hersch und die Fremdkompositionen Some Other Time (Sammy Cahn/Jule Styne), Miyako/Black Nile(Wayne Shorter) und I’ll Be Seeing You (Sammy Fain/Irving Kahal) halten sich nahezu in sklavischer Verbundenheit im klassischen Triojazz auf.
Wie Fred Hersch sich in Phantom Of The Bopera schnellen Taktes an die Jazzsprache des Hardbop herantastet, fordert Respekt. Fordert auch von seinen Mitspielern Drew Gress am Bass und Schlagzeuger Nasheet Waits ausgeschlafene Präsenz. Auf der Flucht vor dem Stillstand – rasend hämmert Hersch sich durch die Klaviatur und schaut nicht zurück. Im intimeren Spiel des Trios weht dann der Geist der legendären Jazzer durch den keilförmigen Raum des Village Vanguard. Die Enge versetzt Musiker und Publikum gleichermaßen in Ekstase – in die des Spielens und in die des Zuhörens. Es ist wohl der konsequenten Haltung der Clubführung zu verdanken, dass dieses Etablissement so beliebt war und ist: kaum Avantgarde (dafür gibt es in New York reichlich andere Lokalitäten), sondern viel Musik aus den 40er und 50er Jahren. Damit identifiziert sich auch Fred Hersch und verzaubert seine Zuhörer entsprechend motiviert.
Thomas Rothschild
Fred Hersch Trio: Live At The Village Vanguard.
Palmetto Records 2003
PALM 2088 (Vertrieb: SunnyMoon)
ASIN: B00007LB41