Es muss irgendeinen Grund dafür geben, dass Stephan-Max Wirth zwar in einschlägigen Jazz-Kreisen durchaus gekannt, geschätzt und geehrt wird, die musikalische Öffentlichkeit allerdings, selbst in den bescheidenen Dimensionen des zeitgenössischen Jazz gerechnet, von ihm nur wenig Notiz nimmt. So schnell wird einem dieser Grund jedoch nicht einfallen. Denn eigentlich macht der Saxophonist Wirth mit seinem hervorragend besetzten Ensemble – herausragend: Henning Wolter am Piano – so gut wie nichts falsch. Seine Ehrung der 2007 verstorbenen Pianistin und – ja, es muss ja noch kommen – Witwe John Coltranes Alice Coltrane gerät zu einer spannenden Entdeckungsreise durch die Musik der Geehrten und durch die kompositorischen und improvisatorischen Welten Wirths.
Wirth ist ein wunderbarer Bandleader, gibt seinen Kollegen ausreichend Platz, hält leichfüßig improvisierend die Gruppe zusammen und erschafft nebenbei so wunderbare Kompositionen wie das die Platte eröffnende „In Pulse“. Wirth teilt mit Coltrane die Liebe zu außergewöhnlicher, gerne auch orientalischer Melodik ebenso wie einen Hang zur Begrenzung allzu ausufernder Improvisationsdiskurse. Seine Kompositionen bleiben stets angenehm straff und nachvollziehbar. Ohne Zweifel hätte ihm auch Alice Coltrane für dieses leichtfüßige Tribute-Album, das allerdings zum größten Teil aus eigenen Kompositionen besteht, reichlich Applaus geklatscht. Es wäre also endlich mal an der Zeit Wirth als das wahrzunehmen, was er in der zeitgenössischen deutschen Jazz-Szene bereits ist: als brillanten Komponisten und Saxophonisten, kurz als großen Musiker.