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Mittwoch, 08. Februar 2012 | 07:19

Get Well Soon: Vexations

04.02.2010

Anmutige Pop-Epen en miniature oder Schlaumeiermusik?

Nun also der zweite Streich! Als oberschwäbischer Retter der ernstzunehmenden deutschen Pop-Musik wurde Konstantin Gropper, der einsame Mann hinter Get Well Soon, dereinst gefeiert. Daran hat sich auch auf seinem zweiten Album „Vexations“ nichts geändert. Von SEBASTIAN KARNATZ

 

„Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon“ hieß jene kleine große Pop-Scheibe, die die Fachpresse nicht nur im eigenen Land aufhorchen ließ. Anmutige melancholische Pop-Epen en miniature, die weder die große Geste, noch das große Textzitat scheuen und dabei trotz allem bemerkenswert lässig bleiben, hatte man aus Deutschland nun tatsächlich schon lange nicht mehr gehört. Bei so viel Lob für den Erstling sollte eigentlich klar sein, was jetzt notwendigerweise folgen muss. Die selbst notorisch hornbebrillte Spex murmelt irgendetwas von „Schlaumeiermusik“ – und die deutschen Feuilletons folgen ihr. Groppers Erfolg scheint ihn verdächtig zu machen. Gut, dass er sein neues Album gleich vorsorglich auf den schönen Titel „Vexations“, also Ärgernisse, getauft hat.

 

In Wahrheit bietet „Vexations“ alles, was auch das Debüt bereits ausgezeichnet hat – nur noch mehr, noch viel mehr von allem: wunderbare Orchesterarrangements, Bläser, Vibraphon-Leads, musikhistorische Zitate, Textmontagen, ein ästhetisch ansprechendes Artwork und eine flirrende Stimmung, die von melancholischer Tristesse bis zu fast euphorischer Majestät reicht. Wer also schon immer wusste, dass Get Well Soon eigentlich im klischeefreien orchestralen Neo-Prog zuhause sind, darf sich gerne bestätigt fühlen. Denn „Vexations“ ist tatsächlich – wie auch bereits der Vorgänger – auf seine eigene Art und Weise ein lupenreines, alternatives Prog-Pop-Album geworden.

 

Konzeptalbum für Stoiker?

Allerdings wirkt Groppers Songwriting auf „Vexations“ tatsächlich noch einen kleinen Tick zielorientierter, kompakter, vielleicht auch hymnischer. Die lässige Geste, die ihn eher mit den ruhigeren Großtaten der Eels verbindet als mit durchaus artverwandtem Stadion-Schmalz à la Coldplay, hat sich Gropper merkwürdigerweise trotz aller Dramatik, trotz aller zur Schau gestellten Intellektualität bewahrt. Vielleicht behauptet er auch gerade deswegen, „Vexations“ sei ein Konzeptalbum über den Stoizismus geworden – schließlich hat er nach seinem Debut mit stoischer Miene schon wieder große Pop-Musik komponiert.

 

Das etwas fahrige intellektuelle Namedropping, das der Spex sauer aufstößt, kann man im Übrigen getrost überhören und sich freuen, dass Gropper auch in seinen intertextuellen Bezügen zu Werner Herzog, Seneca, Georg Büchner, Homer, Peter Sloterdijk usw. recht unaufdringlich bleibt. Wer trotzdem etwas gegen eine derartige intellektuelle Großmannssucht unternehmen möchte, darf gern während des Hörens dieser wunderbaren CD ganz bildungsbürgerlich die Musen Homers anrufen: menin áeide, theá, peleiádo achileos …

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