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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:09

Grasscut: 1 Inch, ½ Mile

05.08.2010

Das Große im Kleinen

Manchmal gibt es Alben, bei denen sich einfach alles perfekt ineinander fügt, ohne dass man das große Wort „Konzeptalbum“ überstrapazieren müsste. Von TOM ASAM

 

Bereits die graphische Gestaltung des Digipacks von 1 Inch, ½ Mile lässt Freude aufkommen und erahnen, dass hier Leute am Werk sind, die nichts dem Zufall überlassen. Und so überrascht es auch nicht weiter, zu erfahren, dass Andrew Phillips, Mastermind hinter Grasscut, als Komponist bereits an über 100 Film- und Fernsehproduktionen beteiligt war. Auf 1 Inch, ½ Mile entwirft Phillips zusammen mit Marcus O´Dair (Kontrabass, Keyboards) eine klangliche Landkarte, auf der moderne Technologie auf ländliche Idylle trifft.

 

Der erste Track „High Downs“, quasi Ausgangspunkt einer musikalischen Rundwanderung, entstand als Phillips in den South Downs (Sussex) Vögel um einen Telefonmasten kreisen sah. „Old Machines“ entstand in ländlicher Umgebung bei Brighton, wo die Ruhe von einem permanenten Hintergrundrauschen durch Autoverkehr gestört wird. Solche Kontraste spiegeln sich in der Musik wider, wenn Casio-Sounds und Beats auf Kontrabass und Streicher treffen. Durch die Verwendung von Samples unterschiedlichster Herkunft wird der Trip mit Grasscut´s Landkarte (eine solche liegt dem Digipack tatsächlich bei) zu einer Reise durch Raum und Zeit. Am Ende des besagten „Old Machines“ hört man zwei Amerikaner, die über städtebauliche Maßnahmen in Sussex diskutieren. Aber auch Phillips Mutter wird per heimlich aufgezeichnetem Handy-Gespräch ebenso zur Reisebegleiterin wie ein Tenor aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

 

Herausragend

Einflüsse von Brian Wilson über Eno bis zu Robert Wyatt und eine in allen Belangen vorzügliche Umsetzung lassen dieses Album aus der Veröffentlichungsflut herausragen. 1 Inch, ½ Mile ist ein dicht gestickter Soundteppich mit verschiedensten Mustern und Strukturen, die einen wunderbaren Gesamteindruck hinterlassen. Hoffentlich ergibt sich bald die Möglichkeit, diesen bei einem Liveauftritt der Band bestätigen zu sehen. Am besten im Doppelpack mit den etwas unterschätzten Britten von Tunng, die mir einen ähnlichen Ansatz zu verfolgen scheinen.

 

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