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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 16:06

Konono n°1 / Afro-Beat Airways / Roots of OK Jazz

05.08.2010

Africa: Now and then

Einige herausragende Veröffentlichungen sorgen dieser Tage nicht nur bei ausgesprochenen Kennern und Liebhabern afrikanischer Grooves für Begeisterung. Von TOM ASAM

 

Als Fela Kuti vor 40 Jahren afro-amerikanischen Jazz und Funk u.a. mit westafrikanischem Highlife und nigerianischer Musik fusionierte, war der Begriff "Afrobeat" plötzlich in aller Munde. Kuti wurde nicht nur in seiner Heimat ein Superstar. Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Ex-Cream-Drummer Ginger Baker und die Bewunderung später nach Lagos pilgernder Helden wie James Brown, Stevie Wonder und MC Cartney erlangte  Kuti, der alleine in den Jahren 76/77 achtzehn (!) Alben einspielte, weitreichenden Einfluß. Talking Heads David Byrne zitierte später Kuti, Byrnes Zusammenarbeit mit Brian Eno  -wie auch MC Laren´s „Duck Rock“- berücksichtigten verschiedene Musikkulturen. Das war gewissermaßen Weltmusik, bevor es den Begriff gab – und den Byrne später deutlich ablehnte! Der schlich sich wohl langsam ein, als Paul Simon sich1986 für südafrikanische  Klänge interessierte. Spätestens Ry Cooder, der zuvor z.B. auch mit Ali Farka Toure zusammenarbeite, und seine „Entdeckung“ des afro-kubanischen „Buena Vista Social Club“ sorgten dafür, dass „exotische“ Klänge in kommerziell relevanten Maßen in westliche Stuben drangen. Seitdem haben sich  zum einen  afrikanische Künstler auch ohne westliche Patenonkel auf westlichen Märkten etabliert. Andererseits verschmelzen im digitalen Zeitalter ehemals getrennt betrachtete Genres, zeitliche und geographische Grenzen. Hippe Youngsters wie die Jungs von Vampire Weekend bedienen sich über mehrere Ecken gewisser afrikanischer Elemente und sorgen bei nachrückenden Fans für Interesse an den  Wurzeln dieser bezaubernden Grooves.

 

Bitte anschnallen und abheben mit "Afro-Beat Airways"

Nach wie vor gibt es auf dem afrikanischen Kontinent wahre musikalische Goldschätze zu bergen. Doch diese Art des Goldschürfens ist harte Arbeit und macht in der Regel nicht reich. Vielmehr ist die Suche nach alten und neuen, außerhalb (oftmals aber auch in) Afrika (wieder) vergessenen, musikalischen Schmankerln eine Sache für Abenteurer und Süchtige. Ein solcher ist der deutsch-tunesische Frankfurter Samy Ben Redjeb, Gründer des Labels Analog Africa. Er veröffentlichte rare Grooves aus uns musikalisch unbekannten Ländern wie Simbabwe, Togo oder Benin. Bevor ein Sampler auf Analog Africa erscheint, liegen in der Regel jahrelange Recherchen hinter Samy Ben Redjeb. In den ausführlichen Booklets erfährt man nicht nur Details zu den vertretenen Musiker sondern auch von der Suche nach den alten Aufnahmen. Für den Sampler Afro-Beat Airways (ab 6.08. in den Läden) mit seinem 44-Seiten umfassenden Booklet überspielte Samy 120 Master-Tapes, führte dutzende von Interviews und schoss eine Menge Photos! Auf den 15 Tracks kann man die Power Westafrikanischer Bands aus den 70er Jahren erleben, welche lokale Rhytmen mit Afro-Amerikanischem Funk, Soul und Jazz verschmelzen. Der Großteil der vertretenen Bands kommt aus Ghana, ergänzt um einige Highlights aus dem Togo, die jedoch alle in Ghana aufgenommen wurden. Vom  kosmischen Afro-Funk bis zum psychedelischen Boogie finden sich wahre Perlen, die jede Party bereichern und auch tanzfaule Gäste vom Sofa fegen. Nicht nur für Experten dringend zu empfehlen!

 

Congotronics for everybody!

Auf über 280  veröffentlichte Alben aus allen Ecken der Erde kann das belgische Label Crammed Discs bereits zurückblicken. Sie bezeichnen sich selbst nicht als „World Music Label“, sondern sehen sich als Musikfreaks, die mit Künstlern aus allen Herren Ländern kooperieren möchten. Eine Besonderheit ist das Zugpferd des Labels, Konono N°1. Deren Debut aus dem Jahre 2005 schlug ein wie eine Granate! Amazon.com listet das Album auf Platz 5 der „ Greatest World Music Albums of all time“, Musik-Giganten wie Herbie Hankock, Beck oder Björk zählen sich zu den Verehrern der kongolesischen Straßenband und buhlen um musikalische Kooperationen. Konono N°1, die sich selbst schlicht als „orchestre folklorique“ sehen, überführen das tranceartige, archaische Element alter musikalischer Traditionen mit Hilfe eines eigenartigen Instrumentenparks in einen hypnotischen Sound, der (auch) für westliche Ohren geheimnisvoll und zeitgemäß (wie die Bezeichnung „Congotronics“) wirkt. Mit Hilfe elektronisch verstärkter Daumenklaviere und aus Metallschrott gefertigten Instrumenten entstehen hypnotiseierende, perkussive Klänge, deren Wirkung Kritiker gerne zu Vergleichen mit Miles Davis in den 70 Jahren, Einstürzende Neubauten oder diversen Krautrock-Legenden hinreißt. Eine weitere Besonderheit wirft ein anderes Licht auf derlei Vergleiche: Die Band wurde bereits vor 44 Jahren gegründet, es dauerte aber bis 1978 bis erstmals ein Song von ihnen auf einer Compilation erschien. Auf Assume Crash Postition wird die Band unter anderem von einer Konono-Coverband(!) unterstützt. Dabei treffen die perkussiven Metalschrott-Grooves auf traditionelle Bazombo-Trance-Elemente und entwickeln einen nach vorne treibenden, energetischen Sound, dem man sich nicht entziehen kann. Anspieltip: „Fula Fula.“

 

Der Rock´n`Roll des Kongo

Der komplette Bandname von Konono lautet eigentlich „L'orchestre folklorique TP Konono N º 1 de Mingiedi“und enthält mit TP eine Hommage an den Kongolesischen Volkshelden Lokanga La Ndju Pene Luambo Makiadi aka Franko und seine Band „Tout Poissont Orchstre Kinois de Jazz“, kurz. O.K. Jazz. Tout Poissont (TP) bedeut dabei soviel wie „allmächtig". Roots of OK Jazz: Congo Classics 1955/56  liefert eine überarbeite und erweiterte Songsammlung der 93 als „Roots of  Rumba Rock“ erschienen kongolesischen Klassiker. Mitte der 50er Jahre spielte die moderne afro-kubanische Musik im Kongo kulturell eine ähnliche Rolle wie der Rock´n´Roll im Westen. Umweht vom Image der Rebellion bot sich erstmals eine Musik für Jugendliche. Mambo und Cha-Cha-Cha verkörperten eine kosmopolitisch anmutende Alternative zur Kultur der Kolonialmacht Belgiens. Die Originalaufnahmen auf 78 rpm wurden vom Produzenten Vincent Kenis liebevoll restauriert, digitalisiert und mit ausführlichen Liner-Notes versehen. Kenis produzierte auch alle Veröffentlichungen, die auf Crammed Disc bisher in der erfolgreichen Congotronics-Reihe erschienen, die neben Konono N°1 weitere, elektrifizierte Musik aus dem Kongo präsentiert und die in diesen Tagen als exklusive Congotronics Vinyl Box erscheint.

 

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