Im kalten Januar im noch kälteren Berlin finden sich die Musiker von
Root 70 zu einer Session im Studio zusammen und was herauskommt lässt sich allein durch folgenden Zahlenbeleg als erfolgreich einstufen: bei sieben von elf Tracks genügt schon ein first take. Aufgenommen wird in den ehemaligen DDR Studios in der Nalepastrasse in Berlin. Das Equipment der Band ist gewollt reduziert auf vintage Röhrenmikrophone ohne digitale Effekte und fügt sich so formschön ins Mobiliar der 50er Jahre Räumlichkeiten des Studios. Gemastert wurde bei Chris von Rautenkranz. (Das von ihm gegründete Soundgarden Studio in Hamburg kennt man von diversen L’age d’or-Bands wie Tocotronic, Die Sterne oder Superpunk, Hamburger Schule eben.)
Aber nun zu etwas ganz anderem – zum Blues, wie ihn das Quartett von Root 70 versteht und vor allem dazu, wie es ihn umsetzt. „Listen to your woman“ - ein zugegebenermaßen löblicher wenn auch etwas unerwarteter Titel für ein Jazz-Album. Nils Wogram, seines Zeichens Mastermind der Band Roots 70, widmet dieses titelgebende Lied seiner Frau. Überhaupt, an Lebensweisheiten mangelt es auf dem Album nicht.„Listen to your woman“ ist das zweite Konzeptalbum des Quartetts Root 70 – ein Bluesalbum, wobei die Interpretationen so kreativ sind, dass man den Blues schon mal vergisst.
Die vierköpfige Formation um den Ausnahme-Jazzposaunisten Nils Wogram existiert nun seit gut zehn Jahren. Die Band besteht aus Hayden Chisholm (Altsaxophon, Melodica), Matt Penman (Bass) und Jochen Rückert (Schlagzeug). Nils Wogram wird in der europäischen Jazzlandschaft hoch gelobt und abgesehen von der beeindruckenden Beherrschung seines Instruments ist sein Markenzeichen die Verschmelzung von verschiedenen Techniken und Musikeinflüssen. Sein Spielfeld zwischen Avantgarde und klassischem Jazz füllt Wogram mit seinen Mitstreitern von Root 70 mit einer großen Lässigkeit aus, die man hören kann und die sie abhebt von vielen anderen.