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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:17

Interpol: Interpol

02.09.2010

Schwarzgerandete Chromleiste

Die stilsicheren New Yorker präsentieren uns auch auf ihrem vierten Album eine solide Vorstellung. Von TOM ASAM

 

 

Unglaublich, was die Schreiberlinge aus dem Interpol-Soundpool so alles raustauchen. Das neue Album wird tendenziell im Vergleich zum Vorgänger und zum Doppelpack der gerne in einem Aufwasch betrachteten ersten beiden Alben bewertet. Und da wird sehr genau hingehört. Formelhaftigkeit bei den ersten beiden Alben, kleine Experimente beim dritten. Und jetzt: klare Zweiteilung des Albums, gedrosseltes Tempo, keine Midtemposongs, ein in sich geschlossenes Album – etwas  widersprüchliche Ergebnisse. Aber in allen Fällen wird hier einem vergleichsweise unspektakulären Aktionsradius einer Band so viel Aufmerksamkeit geschenkt, dass man sich ein bisschen was davon aufgehoben wünschte, für Bands die wirklich was riskieren. Nicht, dass ich was gegen Interpol hätte, im Gegenteil. Aber auch wenn es kleine Variationen im Klangbild gibt, scheint mir das Ganze doch etwas ausgereizt! Das hat der Bassist Carlos Dengler wohl erkannt – er hat die Band im rechten Moment verlassen.

 

Moulder und der Kopfhörer

All das denke ich beim ersten Hören! Irgendwie zieht das Album wie ein Trauerzug an mir vorbei, leider ein Trauerzug in einem Hollywoodstreifen. Alles perfekt inszeniert, die Trauernden haben elegante Klamotten an und der Himmel färbt sich angemessen grau. Aber glaubhafte Emotionen kommen nicht auf. Beim zweiten Durchlauf bin ich mir meiner Sache nicht mehr so sicher. Die großartige Produktion von Topproduzent Alan Moulder (war als Toningenieur und Produzent für Ride, The Cure, My Bloody Valentine, U2 u.v.m. tätig) kommt schließlich unter dem Kopfhörer in der dritten Runde erst voll zur Geltung. Und dann haben sie mich irgendwie doch wieder. Dieses vierte, selbstbetitelte – und nun in den USA wieder bei Matador erschienene - Werk ist sehr erwachsen. Man muss niemanden etwas beweisen, kann seinen (früh entwickelten) Stil weiterführen, scheut das Risiko und nutzt die vorhandenen Ressourcen souverän. Stylische Düsternis zwischen Kunst und kühler Technik. Irgendwie und irgendwo muss man sich diese schwarzgerandete Chromleiste einfach auch diesmal wieder hinschrauben!


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