von Michael Ebmeyer Andrea Maria Schenkel: Finsterau David Small: Stiche. Erinnerungen "Bacon Talks": Frankfurts Schauspielintendant Oliver Reese schreibt ein Stück und inszeniert Eli Pariser: Filter Bubble Der FUTTERblog - streng verdaulich!
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:20

Philipp Poisel: Bis nach Toulouse

02.09.2010

Froh dabei zu sein

Der talentierte Barde aus Süddeutschland hat einen Blick für die Zwischentöne des menschlichen Daseins. Auch wenn nicht immer die Sonne scheint. Wir fahren ihr entgegen. Bis nach Toulouse. Nothing to lose! Von TOM ASAM

 

Wie soll ein Mensch das ertragen? All die Jahre. Zwischen innen und außen. Hab keine Angst. Liebe meines Lebens. Zünde alle Feuer. Im Garten von Gettys. Bis nach Toulouse. Markt und Fluß. Froh dabei zu sein. Für keine Kohle dieser Welt. Ich will nur. Das sind Songtitel. Von Philipp Poisel. Zweites Album. Danke mal wieder an Grönland. Hätte ich sonst wohl nicht gehört. Wirkt zunächst etwas seicht. Das Genuschel. Gefühlsduselei...Nein, nein, Gefühle! Zwischen innen und außen. Hab keine Angst. Hör dir das an! Für keine Kohle dieser Welt? Doch, doch – fang an im Garten von Gettys: „Sonne auf den Wellen, hab gut geschlafen heute Nacht, draussen liegen Yachten, wir haben Kekse mitgebracht...Es gibt im Leben viele Zeiten, das hier sind die Guten, ich schnapp mir meinen Schnorchel und spring rückwärts in die Fluten...wir gehen mit Sand in den Schuhen und Salz auf der Haut und Wind in den Haaren nach Haus...“ Wegehen, Wiederkommen. Abtauchen, voll präsent sein. Das Leben aufsaugen. Hab keine Angst! Und wenn doch, ist auch o.k.

 

Im Zweifel für den Zweifel

„Wo fängt dein Himmel an“, das Debut des Stuttgarter Sonschreibers, schaffte es bereits in die Charts. Und bis nach „Toulouse“ wird ihn noch viel weiter bringen als in die Charts oder nach Frankreich. Von Authentizität zu sprechen ist – vor allem in dieser Branche – immer etwas zweifelhaft. Also nennen wir es anders: Poisel ist mutig. Er nutzt seine etwas eigene, nuschelige Aussprache und macht sie wie selbstverständlich zum Markenzeichen, er beschriebt in relativ einfachen, aber berührenden Sätzen Situationen und Gefühle, die persönlich wirken – in seiner Muttersprache. Liebe, Freundschaft, Freiheitsdrang.Leben.Es scheint ihm egal zu sein, ob und in welche Schublade wer auch immer das Ergebnis stecken möge. Und obwohl er all dies scheinbar so zielsicher wie souverän tut, offenbart er in seinen Texten die Alltäglichkeit des Zweifelns ohne in Gejammer auszubrechen.Im Vergleich zum Debut stecken bei genauerem Hinhören funkelnde Details in den Arrangements, die sehr schnell eine große Sogwirkung entwickeln. Da muss man - völlig ironiefrei – attestieren:  ein wunderschönes Popalbum für die ganze Familie. Mit jeder Menge Potential für Gänsehaut und Tränen, Lächeln und Träumen.


Flattr this


 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald, Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...