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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:24

Féloche: La vie cajun

09.09.2010

Vom erdigen Sound zur Erdkunde

Der Franzose Féloche bringt den Cajun aus den Sümpfen Louisianas in den Sumpf der Großstadt. Von TOM ASAM

 

Ja, wo ist es denn, das lustige, wilde Cajun-Leben? Man vermutet es irgendwo in den Südstaaten der USA. Die Bezeichnung Cajun lässt sich zurückführen auf im 18. Jahrhundert aus den Atlantikprovinzen Kanadas nach Louisiana vertriebenen Französische Einwanderer, die sogenannten Akadischen Franzosen. Noch heute bezeichnet man das Gebiet westlich von New Orleans zum Teil als Acadiana, was natürlich andere Minderheiten wie die Afroamerikaner übersehen lässt.

 

Cajun als Musikstil ist eine der ältesten amerikanischen Volksmusiken, die regional auf Creole Music und Swamp Blues trifft. Traditionell spielen die Fiddle und das Akkordeon eine große Rolle in der Cajun-Musik. Deren Erbe scheint man bewahren zu wollen, gibt es doch seit einigen Jahren die Grammy-Award-Kategorie „Best Zydeco or Cajun Music Album“. Alles andere als ein  Traditionalist und Bewahrer scheint Feloche zu sein, und so hat er es sicher auch erstmal auf Ihre Aufmerksamkeit abgesehen, und  nicht auf den Grammy. Wobei er in Frankreich allerdings schon die großen Festivals gespielt hat. Als Sänger und Mandoline-Spieler wird er hauptsächlich von Multiinstrumentalistin und Sängerin Lea Bulle unterstützt, die neben Akkordeon und Trompete auch Samples beisteuert.

 

Urban Baju ohne Schmutz unter den Fingernägeln

Der Bricolage-Charakter der Musik wird durch moderne Sounds verstärkt und mutiert zum Urban Baju – raus aus den Sümpfen, rein in die Clubs. Das lässige Soundgebräu wird hier mit Reggae-Licks und HipHop-Beats aufgepimpt. Für Südstaaten-Romantiker und Folkpuristen dürfte das Ergebnis schwer verdaulich sein, auch – oder in diesem Kontext: gerade weil!? -  New Orleans-Legende Dr. John zu seinem Auftritt kommt. Ähnlich wie bei der in den letzten Jahren vielfältig verwursteten Balkanfolklore, dient das musikalische Erbe auch hier dazu, aktuelle (Tanz-)Musik leicht exotisch zu würzen.

 

Das muss natürlich zwangsläufig etwas klischeemäßig daherkommen. Das Cajun-Leben beinhaltet halt nun auch ein global verdauliches, computergeneriertes Musik-Menü. Beileibe keine schlechte Platte, aber ohne jeden Ansatz von Schmutz unter den Fingernägeln. Aber eigentlich scheint die Musik gemacht für etwas Abwechslung auf den großen „Indie“-Konzertveranstaltungen, wo dieses Cajun 2.0 mal eine andere Abwechslung bietet zwischen all den neuen The Jams und Joy Divisions als die übliche Anti-Folkvariante, die x-te Generation glattpolierten Skasounds oder die neueste Pogues-Kopie.


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