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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:26

 

Miroslav Vitous: Universal Syncopations

14.03.2004





All Stars



 

 

Als junger Mann kam er aus Prag und konnte sich in kürzester Zeit im Westen einen Namen machen, der ihm alle Türen öffnete. Jetzt hat Miroslav Vitous eine CD aufgenommen mit einer Gruppe, die man einmal wirklich zu Recht als All Stars bezeichnen darf: Jan Garbarek bläst Sopran- und Tenorsaxophon, Chick Corea sitzt am Klavier, John McLaughlin spielt die Gitarre, und Jack DeJohnette bedient das Schlagzeug. Und diese Spitzenmusiker, allen voran der unnachahmliche Jack DeJohnette, den man nach zwei Takten mit Bestimmtheit identifiziert, laufen zu einer Höchstform auf, als wollten sie beweisen, dass man sich doch nicht ausgerechnet von einem Bassisten beschämen lässt.

Man könnte beim genussvollen Anhören dieser CD auf den Gedanken kommen, dass die Unterscheidung von amerikanischem und europäischem Jazz, die einst die Gemüter bewegt hat, längst obsolet geworden ist. Universal Syncopations heißt die CD, und eine universale Sprache spricht die darauf enthaltene Musik. Schon die Titel enthalten die ganze Welt, von Beethoven bis Brazil Waves, von Miro Bop bis Bamboo Forest. Und noch eins sollte in Erinnerung gerufen werden. Es war die Politik, die Miroslav Vitous ins Exil trieb. Die Grundlagen für seine Musik wurden daheim in der Tschechoslowakei gelegt. Dort gab es in den sechziger Jahren, wie auch in Polen, in Ungarn und in der DDR, eine Jazzszene von höchstem Anspruch. Dass sie im Westen ein Geheimtipp blieb, war eine Folge der Borniertheit, nicht Ausdruck eines qualifizierten Urteils.

Jaco Pastorius, befragt, was für ihn der Unterschied zwischen E-Bass und Kontrabass bedeute, antwortete einmal: "Den einen spielt man waagrecht, den anderen senkrecht." Dass das nur ein flapsiger Scherz war - davon kann Miroslav Vitous überzeugen. Seine Einfälle lassen sich nur aufrecht, auf dem guten alten Kontrabass realisieren.

Thomas Rothschild


Miroslav Vitous: Universal Syncopations. ECM 1863

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