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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:31

Chinaza: Home

17.02.2011

Vorsommerliche Verohrwurmung

So ein Cover tut gut im deutschen Winter: Eine junge Frau tanzt über den sommerabendbesonnten Elbstrand und lächelt den Betrachter an … Daneben das Wort HOME, in großen Lettern. Es ist ein Bekenntnis, es ist eine Antwort. Doch wie hieß gleich die Frage? Von CHRISTOPH POLLMANN

 

Chinaza ist in Göttingen geboren und hat sich in den letzten Jahren auf die Suche gemacht - nach so etwas wie Heimat, nach so etwas wie Klang, der in ihrem Falle ebenfalls Heimat sein kann. Und genau dieses Gefühl strömt die ganze Platte aus: Chinaza lädt uns nach Hause ein, in ihr Zuhause, in das, was sie sich als ZUhasuse erarbeitet hat. Und da passt es, dass sie neben ihren sieben eigenen Kompositionen (allesamt sehr geschmackssicher arrangiert von Pianist Sebastian Weiss) auch vier Coverversionen präsentiert. Die sind besonders interesant, da es sich hier um echte Aneignungen handelt, um Wegweiser, die die Geschichte erzählen von Chinazas Suche nach IHREM Klang …

 

Jazzpop mit Afro-, Soul- und Folk-Beiklängen - so könnte etwa eine oberflächliche Beschreibung des zweten Albums der Künstlerin lauten, für dessen Einspielung sie sich fast fünf Jahre Zeit gelassen hat. Sie war in Afrika auf der Suche nach ihren kulturellen Roots. Und so setzt die erste Nummer textlich wie musikalisch auch gleich eine klare Marke: »I have a dream, it´s the dream we all get up with everyday«. Es geht um Gleichberechtung, es klingt nach Bürgerrechtsbewegung und nach Coltrane. Erst mit der dritten Nummer (Every Moment) betreten wir dann so etwas wie sommerlich-leichtes Terrain.

Die Mischung, die Chinaza auf dem gesamten Album bietet, ist überraschend und so abwechslungsreich und souverän zwischen den Stilen changierend, dass es kaum zu einem Satthören kommt, sondern viel eher zu Verohrwurmung und zu Entdeckung.

 

Die Interpretation von Four Women (Nina Simone), Wouldn't It Be Good (Nick Kershaw) und Life's What You Make It (Talk Talk) gelingt fast anstrengungslos. Und trotz des klanglich wie stuilistisch überaus breiten Spektrums bleibt durch Chinazas Stimme die künstlerische Bindung erhalten.


Am 1. April tritt Chinaza übrigens im Hamburger Stellwerk auf. Hingehen - und den Vorsommer verspüren!

 

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