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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:31

Bright Eyes: The People´s Key

17.02.2011

Einstein, Hitler und die Außerirdischen

Vom melodramatischen Indiefolk zum mystisch unterfütterten Pop. Conor Oberst ist zur gern gehörten Dauereinrichtung geworden. Von TOM ASAM

 

Als Conor Oberst und seine Bright Eyes 2005 mit I´m wide awake, it´s morning und digital ash in a digital urn am selben Tag zwei überragende Longplayer auf einmal veröffentlichten, waren Fans wie Kritiker verständlicherweise überwältigt. Der musikalisch frühreife Conor war der Phase der etwas unterproduzierten Liebhaber-Veröffentlichungen entgültig entwachsen. Er war Indiefolk-Wunderkind und Medienstar gleichzeitig und zierte die Titelblätter wohl so ziemlich aller relevanten Musikgazetten. Man machte sich bei aller Begeisterung etwas Sorgen, wie der sensibel und zerbrechlich wirkende junge Mann das alles schultern sollte.

 

Er schien sein Arbeitspensum in der Folge nicht zu verringern, ging aber gleichzeitig eventuellen Erwartungshaltungen aus dem Weg. Früher nahm man Bright Eyes eher als Conor plus Gastmusiker war, seit dem 2007 erschienenen Cassadaga präsentiert sich die Band jedoch mit Conor, Mike Mogis und Nate Walcot als stabile, feste Einheit. Und auch wenn 2008 ein Oberst-Soloalbum erschien, wirkte es nie so, als müsse hier jemand sein Ego herausstellen. Bester Beweis für den Spass an musikalischen Kollaborationen mit gleichberechtigten Musikern ist das Monsters of Folk Projekt zusammen mit M.Ward (She & Him) und Jim James (My Morning Jacket), dass 2009 nachlegte. Und dann gab´s da ja auch noch die Mystic Valley Band.Trotz (oder aufgrund?) stetiger Präsenz scheint Conor aus der Schusslinie der Erwartungen entkommen. Aus dem Wunderkind ist ein Mann geworden, der mittlerweile über 30 ist und der seinen Weg gefunden zu haben scheint. An die Stelle früherer Düsternis und Selbstzweifeln herrscht in den Texten in den letzten Veröffentlichungen ein gewisser Mystizismus vor.

 

Der wird gerne unterfüttert durch seltsame Intros und spoken word parts, so auch auf The People´s Key. Die tolle Sprechstimme, die das Album eröffnet, gehört Denny Brewer, dem ber 60-Jährigen Leader der US-Band mit dem schönen Namen Refried Ice. Er schwadroniert über Aliens, Einstein und Hitler. Nervt nach mehrfachem Hören etwas und könnte oberflächlich betrachtet im Verbund mit so mancher Textstelle Obersts  Befürchtungen schüren, hier habe sich mal wieder ein prominenter US Bürger Richtung Sekte bewegt. Aber weder handelt es sich um irgendwie dogmatische Texte, noch spricht bei näherer Betrachtung sonst irgendetwas dafür. Oberst sucht nach verschiedenen Zugängen zur Welt ohne sich jedoch Realitäten zu verschliessen. Die Welt zu einem besseren Ort zu machen liegt in der Hand aller und jedes einzelnen, its the peoples key.

 

Musikalisch lässt man sich von Erwartungen Richtung Indie-Folk/Country/Americana nicht mehr  festnageln. Auch wenn dies alles noch durchscheint, allerdings gerne auch mit einer deftigeren Gitarrensalve oder fast schon kindisch simplen, poppigen Keyboardmelodien garniert. Hier schreibt man nicht mehr Indie drauf, schließlich ist auch einfach guter Pop für eine breite Hörerschaft drin!Man wird wohl nie wieder so aufgeregt sein, wie an diesem Veröffentlichungstag im Jahre 2005. Die Stimme klingt nicht mehr so brüchig und die Musik geht einem vielleicht nicht mehr ganz so an Herz und Nieren. Aber auch wenn man beim ersten Hören vielleicht eine gewisse Beliebigkeit attestieren möchte, merkt man spätestens nach ein paar Durchläufen, dass alleine die ersten drei Songs schon wieder verdammte Hits sind.

 

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