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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:37

Paris Suit Yourself: My main shitstain

24.02.2011

In den Sack gestopft!

Es gibt Musik, bei der man nicht einmal versteht, was das soll. Was nur zwei Gründe haben kann: Entweder ist sie ihrer Zeit voraus oder versucht, ihrer Zeit voraus zu sein und steckt dabei bis über beide Ohren im Sumpf des Dagewesenen. KRISTOFFER CORNILS behauptet steif und fest, dass Paris Suit Yourself schon mit ihrem Debüt total abgesoffen sind.

 

Vom Dadaismus über Joseph Beuys bis hin zu Frank Zappa: Es gibt immer wieder Richtungen und Künstler, die man zwar nicht per se verdammen möchte, die man aber allein ihrer Epigonen wegen in einen Sack stecken möchte, um ordentlich drauf zu kloppen. Wem das schon bei so angestrengten Nonsens-Combos wie Bonaparte so ging, der sollte sich Paris Suit Yourselfs Debüt My Main Shitstain gar nicht erst anhören. Die drei nach Berlin gezogenen Franzosen, die sich mit der Tarnkappe der Progressivität und Innovation kaschieren, könnten vielleicht sogar Erfolg haben. Sollten genug Leute auf diese Maske reinfallen, hinter der es ziemlich hohl klingt.

 

Die Band hat genau zwei musikalische Modi: Kratzig-schweinerockig ganz nach dem Vorbild von Death From Above 1979 (ganz groß, aber eben vor sieben Jahren) mit mehr Verzerrer als Ideen dahin holzend oder aber das wahllose Gedudel, das in seiner Atonalität, seinen hektischen Passagen und abrupten Breaks den Anstrich des Künstlerischen bekommen soll, ohne jedoch tatsächlich über den faden Nachgeschmack der Künstlichkeit hinauszukommen. Immerhin: Rolling On oder Sometimes könnten einen guten Monat lang auf Indie-Parties die Tanzfläche füllen.

 

Ganz besonders unangenehm: Das Gehabe eines verkappten und viel zu späten Jim Morrison, die ach-so-provokativen Lyrics über den eigenen Penis, das affektive Gewimmer/Geschrei/Gejaule, Wahnsinnswortspiele wie Decadanse – Sänger Luvinsky Atche bedient die volle Klaviatur von Stilmitteln, die seit den 70ern kaum noch jemanden vom Hocker reißen dürften. Und so verhält es sich mit diesem ganzen angestrengten Album: Es ist schlichtweg langweilig, diese steife Vortäuschung von kreativer Agilität, sie fordert nicht einmal zu einem Gähnen heraus, hinterlässt eigentlich keine merkliche Spuren. Selbst die Anstrengung, diese Band in den sprichwörtlichen Sack zu stopfen, wäre zu viel der Ehre.

 

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