Selbst vor diesem komplementären, erklärendem Hintergrund: Das ist alles zu viel. Zu viel künstlerischer Anspruch, zu viele Ideen, zu viel audiovisuelle, experimentelle Überforderung für den Hörer und zuletzt für die Band selbst. Peter Kernel werden ihrem Anspruch nicht wirklich gerecht. Das Konzept schält sich nicht heraus, die Musik verliert sich in halb angedachten Spannungsbögen und Wahllosigkeiten. Das trifft sich mit dem Titel, klingt nach Talk Show-Programmen und Bier kurz nach vier: Im Großen und Ganzen nach nichts wirklich Spannendem. Man müsste schon sehr angestrengt deuteln, um das Experiment als geglückt anzupreisen. Ganz bodenständig lässt sich grundlegend sagen: Die Musiker zeigen sich dann von ihrer besten Seite, wenn sich zwischen den Soundkaskaden minimale Infrastrukturen bilden. Schade nur, dass die Band diese nicht weiterverfolgt, ausbaut, in Songs bündelt. Peter Kernel sind aller Verschrobenheiten und Manierismen zum Trotz eine wirklich interessante Band mit talentierten Mitgliedern.
Wenn man des Nachmittags nicht so recht weiß, was man tun soll, dann bietet sich für Peter Kernel dringend an: Aus der wildüberwucherten Petrischale der Innovation konkrete Songs zu züchten. Denn wie sehr sie in die Dekonstruktion von tradierten Strukturen verliebt sein mögen, es würde ihnen am besten stehen, sich innerhalb dieser auszutoben anstatt zwanghaft mit ihnen brechen zu wollen. Im Mai erscheint das Album White Death & Black Heart, vielleicht wird es das konsequente Produkt wohl genutzter Nachmittage.
