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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:38

Peter Kernel: Il pomeriggio non si sa mai bene cosa fare

24.02.2011

Allen Verschrobenheiten und Manierismen zum Trotz

Wenn eine Platte den Titel Il pomeriggio non si sa mai bene cosa fare (»Nachmittags weiß man nie so recht, was man tun soll«) trägt, dürfte das programmatisch sein. KRISTOFFER CORNILS über ein Experiment von Peter Kernel.

 

Nachdem der titelgebende Satz fällt, legt ein monotoner Basslauf los, der lange nicht verstummt und sich steigert, von dezenten Noise-Zusätzen umspielt und spärlichem Schlagzeug eher kontrapunktiert, um urplötzlich zu verstummen, durch atonales Gitarrengedudel unterbrochen, das dann wieder in eine Art reguliertes weißes Rauschen übergeht, welches dann wiederum davon unterbrochen wird, das jemand ohrenbetäubend ein paar Sätze Italienisch schreit, worauf dann wieder etwas anderes folgt ... Und so weiter, und so fort. Das ist eine ganze Menge Input an loser Improvisation, aber steckt auch ein Konzept, eine Programmatik dahinter? Die schweizerisch-kanadische Art-Punk-Band Peter Kernel jedenfalls versteht ihre knapp 40 Minuten lange Neuerscheinung als audiovisuelles Experiment. Audiovisuell? Das limitierte Vinyl wird zumindest komplettiert von einem Video, das im Internet einzusehen ist und die ersten zehn Minuten des Albums kommentiert. Als Visualisierung der verschrobenen Klänge schaben Hände über Baumrinde, eine Säge wird über einen Stamm gezogen, Steine flackern kurz auf. Immer wieder wird der Bildschirm schwarz, die Bilder zerstückelt und aus allen Zusammenhängen gerissen. Um Mensch und Natur geht es da wohl, soviel ist klar, aber mehr nicht.

 

Selbst vor diesem komplementären, erklärendem Hintergrund: Das ist alles zu viel. Zu viel künstlerischer Anspruch, zu viele Ideen, zu viel audiovisuelle, experimentelle Überforderung für den Hörer und zuletzt für die Band selbst. Peter Kernel werden ihrem Anspruch nicht wirklich gerecht. Das Konzept schält sich nicht heraus, die Musik verliert sich in halb angedachten Spannungsbögen und Wahllosigkeiten. Das trifft sich mit dem Titel, klingt nach Talk Show-Programmen und Bier kurz nach vier: Im Großen und Ganzen nach nichts wirklich Spannendem. Man müsste schon sehr angestrengt deuteln, um das Experiment als geglückt anzupreisen. Ganz bodenständig lässt sich grundlegend sagen: Die Musiker zeigen sich dann von ihrer besten Seite, wenn sich zwischen den Soundkaskaden minimale Infrastrukturen bilden. Schade nur, dass die Band diese nicht weiterverfolgt, ausbaut, in Songs bündelt. Peter Kernel sind aller Verschrobenheiten und Manierismen zum Trotz eine wirklich interessante Band mit talentierten Mitgliedern.

 

Wenn man des Nachmittags nicht so recht weiß, was man tun soll, dann bietet sich für Peter Kernel dringend an: Aus der wildüberwucherten Petrischale der Innovation konkrete Songs zu züchten. Denn wie sehr sie in die Dekonstruktion von tradierten Strukturen verliebt sein mögen, es würde ihnen am besten stehen, sich innerhalb dieser auszutoben anstatt zwanghaft mit ihnen brechen zu wollen. Im Mai erscheint das Album White Death & Black Heart, vielleicht wird es das konsequente Produkt wohl genutzter Nachmittage.

 

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