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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 18:44

Kreidler: Tank

03.03.2011

Zwischen den Zeiten

Da Gadaffi sich leider zur Faschingszeit nicht damit begnügt, diverse Faschingsbälle (mögliches Motto: »come as you are«) zu besuchen, gibt es scheinbar gleich wieder einen Grund, den Spritpreis zu erhöhen. Deshalb gönnen sie sich dieser Tage besser mal einen Tank voll Kreidler! Von TOM ASAM

 

Die 1994 in Düsseldorf gegründete Band Kreidler kann man durchaus in der Linie von Düsseldorfer Bands wie Neu!, Kraftwerk und La Düsseldorf sehen. Schlagworte: Krautrock und Elektronik. Gerade ihre ersten Veröffentlichungen wurden entweder als Fortsetzung eines Krautrocksounds oder aber als Postrock bezeichnet. Einflüsse des britischen Postpunks wurden bei späteren Werken gerne assoziiert. Und obwohl - oder garade weil - Kreidler einen eigenen Ausdruck haben, sind sie in der Lage, auf jedem Album einen anderen Ansatz zu präsentieren. Das Cover des aktuellen Albums zeigt nicht nur ein Werk von Andro Wekua und damit Kreidlers Bezug zur Kunstszene, sondern versinnbildlicht auch die musikalische Ausdruckskraft der Band. Wie die bearbeitete Photographie eines Dummies steht auch Kreidlers Musik undefinierbar zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und lässt oft nicht sofort erkennen: Mensch oder Maschine? Beim  großartigen, 2009 erschienenen Album Mosaik war man, wie geplant, schnell mit den Aufnahmen fertig, das digitale Mischen nahm dann aber noch ein ganzes Jahr in Anspruch.

 

Diesmal war der Tank wirklich schnell gefüllt: Fünf Tage Aufnehmen, drei Tage Mischen – und zwar analog. Anderes Vorgehen, gleichbleibend beeindruckend das Ergebnis. Tank ist düsterer und direkter, aber genauso magisch. Bass, Gitarre, Schlagzeug, Elektronik. Fertig. Diese, wieder zum Quartett angewachsene Band ist so präzise und organisch zugleich, dass man aus dem Staunen kaum noch rauskommt. Beim Konzert zu Mosaik in der Münchner Roten Sonne standen unverständlich wenige Leute vor der Bühne – allerdings überwiegend entrückt, andächtig und mit der Kinnlade am Boden. Ein außergewöhnliches Erlebnis! Ein derartiges Sounderlebnis aber auf Tonträger zu übertragen, das gelingt verdammt selten. Bewertung: 5 (von 5) Kanister.

 

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